Japanisch für den allergrößten Volltrottel, der sich niemals fortpflanzen sollte

Kapitel 58 –

Niemand mag Konni

Wisst ihr was? Ich habe das Gefühl, dass ich euch viel zu lange mit einfacher Grammatik und simplen Satzaussagen bei der Stange gehalten hab. Ich finde, es wird langsam mal Zeit, euch ein paar lustige Dinge zum Auswendiglernen zu zeigen, damit mir die Leserschaft davonläuft und ich mehr Zeit habe, um zwischen den Kapiteln zu prokrastinieren! Oder fürs Studium zu lernen, das wär wohl auch keine so schlechte Idee. I-Ich meine natürlich, ich werde bestimmt ganz viel fürs Studium lernen und sicher nicht meine Zeit unnötig mit lustigen Katzenbildern und Videospielen vergeuden! G-Ganz ehrlich! Sie können jetzt aufhören, mitzulesen, Herr Professor!

J-Jedenfalls wissen wir seit Kapitel 3 jetzt, dass für japanische Verben eine Form existiert, die die Gegenwart und gleichzeitig eine höfliche Sprechweise ausdrückt. Ja, genau, die masu-Form war’s mit tabemasu und yomimasu. Die masu-Form erkennt man ziemlich einfach, indem man nachguckt, ob da am Ende des Verbs ein “masu“ dranhängt. Jetzt haben sich vielleicht ein paar Leute gefragt: „Aber Herr Lehrer, wenn die Verben in der Wörterbuchform eigentlich taberu und yomu heißen, wieso heißt die masu-Form dann nicht einfach taberumasu und yomumasu?“

Nun, mein braver, aufmerkasmer Schüler (Dich hab ich nicht gemeint, Konni! Ab zum Direktor!), da musst du wohl leider einen Sprachgeschichtsforscher fragen, denn ich habe keine Ahnung, warum sich die masu-Form so komisch von der Wörterbuchform unterscheidet. Was ich dir dafür sagen kann, ist, wie man sie bildet.

Das ist eigentlich ganz simpel. Wir schmelzen zuerst das Verb in der Wörterbuchform ein und gießen es dann in eine sogenannte Konjunktionalform“ (連用形, ren’youkei; manche sagen auch „masu-Stamm“, aber das ist doch fast schon ein Grundschulausdruck). Danach kleben wir einfach ein masu dahinter und wir sind fertig. Doch dann kommt die kleine Fee der japanischen Sprache und knallt dir mit der Faust direkt eine ins Gesicht. Das kitzelt zwar nur ein wenig, weil sie als Vollzeitfee nun mal ziemlich kleine Händchen hat, aber so einfach funktioniert die Bildung dieser masu-Form nun auch wieder nicht. Das Problem, das wir dabei haben, ist, dass diese Konjunktionalform davon abhängig ist, mit welcher Art von Verb wir es zu tun haben. Es gibt nämlich drei Arten davon:

1 – Vokalische Verben

Man nennt sie auch „einstufige Verben“. Das sind Verben, die in der Wörterbuchform auf -ru enden. Verwendet man eine lateinische Umschrift, kann man sogar erkennen, dass sie -eru oder -iru hinten dranhängen haben (also eine Silbe aus der E-Reihe oder I-Reihe + ru).

Bei vokalischen Verben ist die Ren’youkei nicht sehr kompliziert. Wir schneiden einfach -ru weg, werfen es zum Altpapier und sind fertig. Für die masu-Form müssen wir an dieses ru-lose vokalische Verb nur noch ein -masu anhängen.

Wörterbuchform Ren’youkei masu-Form
食べる (taberu; essen) 食べ (tabe) 食べます (tabemasu)
寝る (neru; schlafen) (ne) 寝ます (nemasu)
起きる (okiru; aufwachen) 起き (oki) 起きます (okimasu)
見る (miru; sehen) (mi) 見ます (mimasu)
出る (deru, hinausgehen) (de)
出ます (demasu)

 

So weit, so gut. Die nächste Verbgruppe ist nicht mehr so einfach, muhahaha!

2 – Konsonantische Verben

Wer hätte das erraten. Die werden allerdings nicht „zweistufig“, sondern „fünfstufig“ genannt, weil sich der Stamm auf fünf verschiedene Arten verändern kann. Hurra! Wenigstens haben alle konsonantische Verben gemeinsam, dass sie in der Endung immer ein „U“ haben (also ku, mu, tsu etc.). Für die Ren’youkei pickt man sich dann das U einfach raus und biegt es gerade, sodass es wie ein I aussieht. Aus ku wird ki, aus mu wird mi, aus tsu wird… nicht tsi, sondern chi. Einfach in der Kana-Tabelle nachgucken, wenn man sich nicht sicher ist. Solange man eine Zeile nach oben geht (von U nach I), liegt man richtig. Am Ende macht man’s den vokalischen Verben nach und holt sich etwas Panzertape, um ein -masu dranzukleben.

Wörterbuchform Ren’youkei
masu-Form
読む (yomu; lesen) 読み (yomi) 読みます (yomimasu)
聞く (kiku; hören) 聞き (kiki) 聞きます (kikimasu)
死ぬ (shinu; sterben; das ist das einzige japanische Verb, das auf nu endet) 死に (shini) 死にます (shinimasu)
持つ (motsu; halten) 持ち (mochi; nein, das ist nichts Leckeres) 持ちます (mochimasu)
帰る (kaeru; zurückkehren) 帰り (kaeri) 帰ります (kaerimasu)

 

(In den beiden Beispieltabellen kann man übrigens sehr gut sehen, warum ein Teil des Verbs ein Kanji ist und der andere Teil in Hiragana geschrieben wird. Ein Kanji ist in der Aussprache etwas Unveränderliches, aber Silbenzeichen kann man problemlos austauschen, wenn sich die Silbe verändert. [Memo an mich: Überarbeitetes Kanji-Kapitel verlinken~])

„Aber Herr Lehrer, warum steht da kaeru? Ist das wegen -eru nicht ein vokalisches Verb?“
Gut aufgepasst, lieber Schüler. Und du gehst zum Direktor, Konni. Mir egal, ob du gerade eben erst bei ihm warst.
Unter den konsonantischen Verben gibt es ein paar falsche Freunde. Die enden in der Wörterbuchform zwar auf -iru oder -eru, sind aber trotzdem keine vokalischen Verben, sondern konsonantische. Die muss man halt einfach lernen. Das sind unter anderem Wörter wie:

帰る (kaeru, zurückkehren)
入る (hairu, hineingehen)
走る (hashiru, schnell laufen)
知る (shiru, wissen)
切る (kiru, schneiden)
限る (kagiru, einschränken)
要る (iru, brauchen)

 

… und wahrscheinlich noch ein paar, die ich vergessen hab. Egal, die lernt man früher oder später sowieso kennen.

3 – Unregelmäßige Verben

Von denen gibt’s hunderte, die man alle auswendig lernen muss. Muhahahaha!
… Na ja, eigentlich gibt’s nur zwei. Aber ja, die muss man wirklich auswendig lernen.

Wörterbuchform Ren’youkei
masu-Form
する (suru; tun, machen) (shi) します (shimasu)
来る (kuru; kommen) (ki) きます (kimasu)
 
(Technisch gesehen gibt es noch mehr Ausnahmen, aber die gehören alle in die ehrerbietige Höflichkeitssprache, die jetzt noch zu kompliziert wäre.)

 

So, und jetzt haben wir neben der masu-Form auch die Ren’youkei kennengelernt, mit der man noch verdammt viel mehr anstellen kann als nur ein -masu dranzuhängen. Eigentlich würde ich jetzt schreiben: „Aber das verrat ich noch nicht!“, aber damit würde ich ja voraussetzen, dass ich nach so viel Trockenheit überhaupt noch Leser hab.

Weiterlesen

Gepostet von am 30.12.2014 | 13 Kommentare

Japanisch für den allergrößten Volltrottel, der sich niemals fortpflanzen sollte

Kapitel 2v2 –

Madoka Grammatica

Was guckst du da? Das ist das Artikelbild, geh wieder zurück auf den Artikel!

Nachdem wir uns jetzt so lange mit der japanischen Schrift beschäftigt haben (ein ganzes Kapitel lang!), wird es doch langsam mal Zeit, sich die Satzbildung und die grundlegende Grammatik dieser seltsamen Sprache anzuschauen.
Fangen wir doch mal umgekehrt an und gucken auf ein deutsches Satzbeispiel:

„Harald klaut Pausenbrote.

Wer von euch brav im Deutschunterricht aufgepasst hat, kann die Satzglieder in diesem kleinen Satz sicherlich bestimmen. „Harald“ ist das Subjekt, „klaut“ das Prädikat und „Pausenbrote“ ist ein Objekt. (Ich weiß, das ist nicht zu hundert Prozent korrekt, reicht aber für den Beginn.)
Subjekt, Prädikat, Objekt – Ein Musterbeispiel für einen deutschen Satz. Harald ist stolz auf euch und klaut euch das Pausenbrot erst morgen wieder.

Japaner finden diese Wortreihenfolge aber irgendwie voll doof und vertauschen das Prädikat mit dem Objekt. Ja, statt „Harald klaut Pausenbrote“ sagt man auf Japanisch lieber „Harald Pausenbrote klaut, junger Padawan“! Schlimmer noch, diese Satzreihenfolge wäre zwar ideal, aber es lässt sich theoretisch mit der japanischen Sprache vereinbaren, gewisse Satzteile an völlig seltsame Stellen zu setzen. So kann aus dem Satz auch schnell mal ein „Pausenbrote Harald klaut“ werden. Das ist in diesem Satz ja gar kein Problem, die Bedeutung ist noch immer klar. Dann kommen aber plötzlich solche Sätze wie „Dietrich Maria ermordet“. Wendet man dieselbe Regel wieder an, heißt der Satz auf einmal „Maria Dietrich ermordet“ und niemand weiß mehr, wer hier der eigentliche Täter und wer das Opfer ist.

Man mag es kaum glauben, aber die kleine Fee der japanischen Sprache ist ja nicht dumm und hat ein Konzept eingeführt, das dieses Problem löst und gleichzeitig die japanische Sprache extrem flexibel macht. Sie setzt einfach kleine Wörtchen an das Ende von Wörtern oder Satzgliedern, die auf deren Funktion hinweisen und so eindeutig festlegen, dass „Harald“ nun mal das Subjekt ist und nicht irgendwas anderes.
Partikel nennt man diese Wörtchen. Zwei von diesen Partikeln brauchen wir in unserem Beispielsatz. Das wären ga (), welches ein Subjekt markiert, und wo (wird zwar (wo) geschrieben, aber wie (o) ausgesprochen), das ein Objekt anzeigt.

Diese zwei Wörter gehören nun direkt hinter die Wortart, um sie als solche zu markieren.

Dietrich wo Maria ga ermordet.Da das wo hinter Dietrich steht, wissen wir, dass Dietrich nur das Objekt darstellt und Maria aufgrund ihres ga das Subjekt. Überträgt man das ins Deutsche SVO-System, kommen wir auf „Maria ermordet Dietrich“, und schon ist erkennbar, dass Partikel über Leben und Tod entscheiden können. RIP in Teilen Dietrich.

Natürlich war das noch längst nicht alles. Neben Partikel sind nämlich die Wortendungen ziemlich wichtig. Das lässt sich wieder schön in einem Beispiel erklären.

„Christopher hat eine Gummiente.

oder in unserem lustigen Pseudo-Japanisch schön bunt bemalt:

Christopher ga eine Gummiente wo hat.

Jetzt wissen wir, dass der liebe Christopher im Besitz einer gelben Gummiente ist. Gestern ist aber der gemeine Franz-Dieter von der Straße gegenüber mit seinen Freunden gekommen und hat Klein-Christopher die tolle Ente weggenommen! Christopher ist jetzt ganz traurig. Er hat jetzt nicht nur seine Lieblingsente verloren, auch der Beispielsatz von vorhin stimmt jetzt gar nicht mehr. Er „hat“ die Ente jetzt nicht mehr, er „hatte“ sie. Wie hat sich die Bedeutung des Satzes also nun geändert? Wir haben das Prädikat einfach in die Vergangenheitsform gesetzt.

Im Japanischen funktioniert das genauso einfach. „Besitzen“ ist leider ein blödes Beispiel, weil das japanische Äquivalent für unsere europäischen Ohren etwas seltsam formuliert wird, aber sagen wir einfach mal, er trägt den Ball in der Hand. „Tragen“ bedeutet auf Japanisch „motsu“ (持つ). Setzen wir das in die Vergangenheit, heißt es „motta“ (持った), also „trug“. Das war ein einfaches Beispiel, was man mit Verbendungen anstellen kann, um die Satzaussage zu verändern, aber das Japanische geht da im Vergleich zum Deutschen noch einen Schritt weiter. Nein, es geht mindesten fünf Schritte weiter. Aber das kommt ja noch alles.

Ach ja, und bevor ich die Kurzeinführung in die japanischen Temporalformen beende, muss ich natürlich noch das Wichtigste davon erwähnen. Das Deutsche ist euch mit sechs verschiedenen Zeitformen von Verben zu kompliziert? Dann habt Spaß mit den zwei Zeitformen des Japanischen, der Vergangenheit und der Gegenwart. Will man doch einmal das Grammatiksystem jailbreaken und etwas im Futur sagen, schummelt man sich einfach mit einem „Ich habe vor, etwas zu tun“ herum.

Was können Endungen also noch? ’ne Menge.

  • Zeitformen
  • Negation (Verneinung)
  • Konditionalform („Wenn“)
  • Verlaufsform (aus dem Englischunterricht als „ing-Form“ bekannt)
  • Befehlsform
  • Gleichzeitigkeitsform
  • Höflichkeit
  • Lieblingsfarbe
  • Typ des eigenen Lieblingspokémons
  • Und noch ein wirklich großer Haufen an Zusatzinformationen, die man so in einen Satz einbauen kann. Bevor jemand schreit: Die vorherigen beiden Punkte sind natürlich furchtbar ernst gemeint.

Und das beste daran ist: Es gibt immer eine feste Regel, wie man die Formen von Verben und Adjektiven (Ja, auch Adjektive haben im Japanischen eine Zeitform!) bilden kann, mit Ausnahme von ein paar Wörtchen, die man sprichwö… nein, sogar wortwörtlich an einer Hand abzählen kann.

Gibt’s sonst noch was zu sagen? Njoa, ich fasse mal zusammen, was die Sprache noch so alles drauf hat:

  • Es gibt keine Artikel und keine Geschlechter. Ja, genau, diesen ganzen der/die/das-Blödsinn ersparen sich die Japaner. Die deutsche Sprache ist ja leider damit verflucht.
  • Plural und Singular findet die kleine Fee der japanischen Sprache ziemlich unsinnig. Ob ein Nomen jetzt in der Einzahl oder in der Mehrzahl dasteht, wird entweder mit einem Zahlwort angegeben oder ist einem Japaner sowieso Banane.
  • Die Kopula, besser bekannt unter dem Wörtchen „desu“, nimmt uns viel Arbeit ab. Will ich einem Subjekt etwas zuweisen (X ist Y), muss ich nicht darauf achten, ob ich „bin“ oder „bist“ oder „sind“ für das Hilfsverb „sein“ einsetzen muss. „Desu“ reicht völlig aus. Das funktioniert natürlich auch mit anderen Zeiten und Modi.
  • Satzteile werden ausgelassen. Jepp, in Japan sind alle Jungz und Mädelz so faul mit ihrer Sprache, dass alles, was nicht unbedingt gesagt werden muss, einfach weggelassen wird. Wenn Michis Mama in sein Zimmer geht und auf Japanisch sagt: „Aufräumen“, dann meint sie wahrscheinlich nicht die Müllhalde am Rand der Stadt, sondern den sich stapelnden Berg von Klamotten in seinem Zimmer, und das einfach aus dem Grund, weil völlig ersichtlich ist, was gemeint ist.
  • Die Japanische Höflichkeit prägt die gesamte Sprache. Es gibt tatsächlich zu jeder Form, die ein Verb oder ein Adjektiv nur annehmen kann, eine informelle und eine höfliche Form. Und die höfliche Sprache teilt sich auch auf in bescheidene und ehrbietige Sprache. Das geht halt dann doch ein bisschen weiter als unsere mickrige deutsche du/Sie-Anrede. Grundsätzlich gilt aber: Je länger der Satz, umso höflicher ist er.

7.12.2014: Zusammengefasst, richtiggestellt. Und dumme, unlustige Anspielungen rausgelöscht :V

Weiterlesen

Gepostet von am 30.12.2014 | 6 Kommentare

 

Japanisch für den allergrößten Volltrottel, der sich niemals fortpflanzen sollte

Kapitel 3v2 –

Kuchen sind lecker und Zeitungen sind interessant

 

Diesmal wirds richtig lustig, denn heute wird das bisschen Wissen, das jeder dahergelaufene Anime-Fan ohnehin schon intus hat, angewandt. Jupp, heute wird das erste Mal richtig die Insulanersprache geschnattert.

Wie in Kapitel 2 erwähnt gibt es für jedes Wort, das sich mit Suffixen (Nachsilben) modifizieren lässt, eine höfliche und eine höflichkeitsneutrale Form. Wenn man sein kleines 10-Euro-Japanisch-Wörterbuch zur Hand nimmt und dort in eine Liste mit wichtigen Verbchen und Adjektivchen reinschaut, wird man wohl bemerken, dass so ziemlich alle Verben mit dem lateinischen Buchstaben „u“ aufhören und alle Adjektive mit einem „i“. Das liegt daran, dass es für all diese Wörter eine sogenannte Wörterbuchform (辞書形, jishokei) gibt. Das ist die Grundform, die – oh Wunder – für Wörterbücher verwendet wird. In deutschen Wörterbüchern ist die Wörterbuchform von Verben immer der Infinitiv Präsens Aktiv („gehen“, „kaufen“, „überfahren“ etc.), im Japanischen gibt’s dafür ’ne eigene Form. Kuhl. Jedenfalls konzentrieren wir uns heute mal rein auf Verben (動詞, doushi).

Warum das alles so wichtig ist? Nun, es existiert im Japanischen eine Verbform (und Adjektivform eigentlich auch), die im Präsens völlig exakt der Wörterbuchform entspricht. Das machen die Japaner, weil sie uns Ausländer mit Fachbegriffen quälen wollen und nicht etwa, weil es praktisch ist, wenn man sprachliche Unterscheidungen treffen will. Okay, das vielleicht auch, aber hauptsächlich, weil die Japaner gemeine Sadisten sind.

Egal, diese Form ist jedenfalls die höflichkeitsneutrale Form (基本形, kihonkei; manchmal auch 基本体, kihontai; jaja, lustig, lustig, das klingt wie „Hentai“, hihi.) und ist, wie der Name verrät, die Form eines Wortes, die überhaupt keine Höflichkeit ausdrückt. Das hört sich jetzt erst mal an, als wäre es ein schreckliches Vergehen, wenn man diese Form in einem Gespräch mit seinem Chef, dem japanischen Kaiser oder… keine Ahnung, dem bärtigen Kerl im Himmel gegenüber verwendet, aber wenn ich jetzt „Das stimmt!“ sagen würde, wäre das nur die halbe Wahrheit. Die höflichkeitsneutrale Form alleine wäre tatsächlich nicht höflich genug für eine Respektperson, aber in Verbindung mit anderen Modi oder als Modifikator für gewisse Satzteile kann man auch den ollen Tennō damit ansprechen. Klingt verwirrend? Dachte ich mir, lassen wir den Exkurs bleiben und merken uns einfach, dass die höflichkeitsneutrale Form… nun, nicht besonders höflich ist und nur bei Familie und Freunden gut passt.

Aber jetzt kommt die fürs Überleben in Übersee eindeutig essenziellere Form: Die höfliche Form. Wenn man speziell im Fall von Verben spricht, redet man meistens von der masu-Form. Die heißt so, weil hinter dem Verb, das man in eine bestimmte masu-kompatible Form setzt, ein ます (masu) steht. Das ist zwar einerseits wenig kreativ, andererseits ersparen wir uns damit das nervige Auswendiglernen von komisch klingenden Fachbegriffen. Ich glaube, jeder, der schon mal ein paar Stunden der japanischen Sprache gelauscht hat, wird diese Form sofort erkennen und kann sie jetzt auch als höfliches Verb im Präsens identifizieren. Das „u“ von masu wird dabei übrigens ziemlich stark verschluckt, sodass es sich eher nach „mass“ anhört. Satzbeispiel gefällig?

私は食べます。
Watashi wa tabemasu.

Okay, dazu wäre jetzt eigentlich ein Exkurs zu wa nötig, aber ich kürze ab: Wa ist eine Partikel, die das Satzthema angibt. Der Einfachheit halber reicht es zunächst, wenn wir uns merken, dass wa das Subjekt des Satzes anzeigt, also dasselbe tut wie ga, das wir schon in Kapitel 2 hatten. [Memo an mich: Überarbeitetes wa-ga-Kapitel verlinken~]

Watashi ist eine generelle Bezeichnung für die erste Person Singular, also „Ich“. Durch wa erfahren wir, dass „Ich“ das Thema bzw. Subjekt des Satzes ist. Fehlt nur noch tabemasu. Na, habt ihr lieben Kinder alle brav aufgepasst? Ja, Konni, ich weiß, dass du in der Nase gebohrt und nicht zugehört hast, aber die anderen haben ganz bestimmt schon verstanden, dass tabemasu ein Verb in der masu-Form ist! Ihr kriegt jetzt alle einen Stern ins Klassenbuch. Konni, du gehst zum Direktor.

Tabemasu bedeutet „essen“ und kommt von der Wörterbuchform taberu. Zusammen mit watashi wa ergibt der Satz zusammen die spannende Übersetzung: „Ich esse“.

War nicht so schwierig, was?

Mooooment! Das ist zwar alles schön und gut, aber theoretisch könnten wir aus dem Satz noch mehr machen! Woher wissen wir, was ich überhaupt esse? Es könnte ein süßer, roter Apfel sein, es könnte ein gesunder Salat sein, es könnte sogar etwas gar Furchtbares wie Pferdefleisch sein!!!111
Zum Glück haben wir in Kapitel 2 etwas vorgearbeitet und wissen, wie man direkte Objekte anzeigt, nämlich mit der Partikel wo.

私はケーキを食べます。
Watashi wa keeki wo tabemasu.

Wen oder was esse ich? Den keeki (vom engl. cake, also Kuchen), also wird hinter dieses Nomen ein wo geklatscht und die kleine Fee der japanischen Sprache ist zufrieden. „Ich esse den Kuchen.“ – Ob ich nun wirklich „den“ Kuchen oder einfach nur „einen“ Kuchen esse, wird im Japanischen (zumindest in dieser Satzkonstruktion) nicht unterschieden.

Noch ein Beispiel? Noch ein Beispiel.

田中さんは新聞を読みます。
Tanaka-san wa shinbun wo yomimasu.

Ich denke nicht, dass irgendjemand noch nie das Appellativsuffix san gehört hat. Es ist die grundlegenste Anrede für eine Person überhaupt und ist nicht wirklich höflichkeitsneutral, gibt aber auch nicht unbedingt die tiefste Unterwürfigkeit an. Im normalen Alltag passt san aber sowohl bei fremden Personen als auch bei Kollegen. Übersetzen kann man es meistens entweder mit „Herr“ oder „Frau“ oder man lässt es ganz weg. Wenn das Prädikat des Satzes in der masu-Form steht und man keinen Kontext hat, macht man mit „Herr“ oder „Frau“ aber nichts falsch.

Joa, shinbun ist eine „Zeitung“ und yomimasu kommt von der Wörterbuchform yomu und heißt „lesen“. Dass Herr Tanaka eine Zeitung liest, ist jetzt nicht mehr schwer zu erraten.

Weiterlesen

Gepostet von am 27.12.2014 | 11 Kommentare

 

Japanisch für den allergrößten Volltrottel, der sich niemals fortpflanzen sollte

Kapitel 1v2 –

Yet another lehrreicher Text über japanische Schriftsysteme

Wer von euch durch unsere beliebten chinesischen Zeichentrickpornos ein bisschen auf den Geschmack gekommen ist und sich zumindest länger als zwei Minuten auf Wikipedia mit der japanischen Sprache auseinandergesetzt hat, wird wissen, dass die Japaner drei verschiedene Schriftsysteme erfunden bzw. für sich selbst okkupiert haben: Die verschnörkelten Hiragana, die kantigen Katakana (die man zusammen Kana nennt) und die von den Chinesen geklauten Kanji. Na ja, und lateinische Buchstaben. Und arabische Ziffern. E-Egal, die können wir ja hoffentlich schon alle. Am Beginn würd ich gern mal die beiden Silbensysteme vorstellen, aber ein besseres Verständnis von der Geschichte und Herkunft bekommt man wohl, wenn wir uns erst mal diese wahnsinnig komplizierten chinesischen Zeichen anschauen. Hurra.

Das Wort Kanji (漢字) bedeutet übersetzt „Zeichen der Han“. Das haben aber die Japaner nicht erfunden, weil sie die Chinesen irgendwie necken wollen. Den Namen haben die Chinesen selbst erfunden (Hànzì). Egoisten.
Ursprünglich waren Kanji eine Sammlung von Piktogrammen, Ideogrammen etc., von denen etwa Mitte bis Ende des 6. Jahrhunderts zehntausende aus China übernommen wurden. Heute gibt es… immer noch zehntausende von ihnen, aber die japanische Regierung hat sich 1946 gedacht: „So viele Zeichen braucht doch keine Sau, wir schreiben einfach ein paar Zeichen hin und tun so, als würde es den Rest gar nicht geben.“ Im Endeffekt wurden aus den „paar Zeichen“ immerhin 1.850, die allerdings zweimal im Jahre 1981 und 2010 reformiert und auf 2.136 Kanji erhöht wurden und man heute Jōyō-Kanji nennt. An diese Kanji halten sich die Medien und sie sind die Standard-Kanji, die jeder Japaner können muss. Was dummerweise nicht heißt, dass keine anderen Kanji mehr im Umlauf sind, weil Japaner verdammte Masochisten sind!

„Diese chinesischen Zeichen! Da hat ein Kumpel mal erzählt, dass jedes Zeichen ein Wort bedeutet! Das ist ja voll kompliziert!“
Nun, das ist nur die halbe Wahrheit. Nein, Moment, das ist vielleicht höchstens ein Viertel der Wahrheit. Gib bei der nächsten Gelegenheit deinem Kumpel einen kräftigen Tritt.

Erst mal sollte man wissen, dass es zwei Arten von Lesungen gibt. Das ist so, weil die Japaner vor der Einführung der Kanji zwar keine anständige Schrift hatten, sehr wohl aber eine gesprochene Sprache! Da gab es dann also Kanji, von denen man zwar in China wusste, wie man sie auf Chinesisch auszusprechen hat, aber das war dann den stolzen Japanern zu blöd und sie haben ihre eigene Aussprache mitsamt Bedeutung einfach auf dieses Kanji raufgeklatscht. Andererseits gab es aber auch Kanji, die auf Chinesisch ganz cool klangen und dessen Aussprache man für das in Japan benutzte Kanji übernommen hat. Nun, streng genommen ist auch das nicht die ganze Wahrheit, weil es auch Kanji gibt, die man in China noch nie gesehen hat, weil die Japaner anfingen, ihrem großen Vorbild nachzueifern, und selbst komplizierte Zeichen für ihre eigenen komischen Wörter erfunden haben (kokuji), aber wir wollen hier ja keine Sprachgeschichtswissenschaftler werden.

Die moderne japanische Sprache ist also so eine Art Mischmasch aus japanischen und völlig verdrehten chinesischen Wörtern, die halt irgendwie japanisch klingen sollen. Meistens war es aber so, dass sich die Japaner nicht entscheiden konnten und sowohl die chinesische Lesung beibehielten als auch ihre eigene Lesung draufklebten. Und weil die Japaner Ausländer anscheinend wirklich hassen und uns beim Kanji-Lernen leiden lassen wollen, gibt es meistens für dasselbe Kanji mehrere chinesische und mehrere japanische Lesungen. Wie man ein Zeichen dann in der Praxis tatsächlich lesen sollte, ist individuell für jedes Wort anders.

Wenn man von chinesischer („sino-japanischer“) Lesung spricht, sagt man meistens on-Lesung oder on’yomi. Die japanische („reinjapanische“) Lesung heißt im Fachbegriff kun-Lesung oder kun’yomi. Steht ein Kanji direkt neben einem zweiten Kanji, wird es meistens on gelesen, ansonsten kun. Das ist aber nur eine sehr schwammige Regel, denn wie bereits erwähnt muss man in vielen Fällen einfach auswendig lernen, wann man ein Kanji wie ausspricht. Juhu.

Hier hört der Spaß aber noch nicht auf. Was nutzt es uns, zu wissen, wie man ein Kanji ausspricht, ohne zu verstehen, was es überhaupt bedeutet?

Fakt ist: Jedes Kanji hat mindestens eine Bedeutung. Die hängt davon ab, mit welchem anderen Zeichen (das muss kein Kanji sein) dieses Kanji in Verbindung steht. Stehen zum Beispiel die beiden Kanji „Pause“ (, kun’yomi: yasumi) und Tag“ (, kun’yomi: hi) alleine, heißen sie wirklich nur Pause und Tag. Setzt man sie hingegen zusammen, heißen sie nicht etwa „Pausentag“, sondern bilden das Wort „Ferien“ (休日, kyūjitsu). (Bemerkt? Beide Kanji werden zusammengesetzt nun nicht mehr kun, sondern on gelesen.)

Ich fasse zusammen: Um Kanji zu können, muss man verdammt viel Zeug auswendig lernen! Vor allem, weil jedes dritte Kanji irgendwie immer dieselben on’yomi besitzt, was das Lernen echt nicht lustig macht! :<

Kanji-Recherchemöglichkeiten gibt es

  1. bei Denshi Jisho
  2. beim Japanisch-Deutschen Kanji-Lexikon
  3. bei Wadoku
  4. mit dem ausgezeichneten Firefox-Addon Rikaichan bzw. Chrome-Addon Rikaikun
  5. oder wahlweise auch bei J-Talk oder sogar beim Google Translator, wenn man nur die Lesung wissen möchte.

So, jetzt hatten die Japaner den Salat. Die Gelehrten haben alle mit Kanji geschrieben, aber dem dummen Fußvolk war das alles zu kompliziert. Kann hier glaub ich jeder nachvollziehen. Dann hat man sich gedacht: „Hey, diese zehn Kanji da werden auf Chinesisch alle ‘ko’ ausgesprochen. Wie wär’s, wenn wir so tun, als würde es neun davon gar nicht geben? Das zehnte verwenden wir dann so quasi als ‘Buchstaben’ für alles, was wir ‘ko’ aussprechen würden! Und wenn wir schon dabei sind, könnten wir das gleich für alle anderen Silben auch machen!“

Und so wurde das erste japanische Silbensystem geboren: Die Man’yōgana. Ist das heute noch wichtig? Nein. Es interessiert uns aber, weil diese Zeichen nach und nach immer stärker vereinfacht wurden (vermutlich durch Schreibfaulheit) und daraus schließlich die heutigen Hiragana entstanden sind. (Übrigens: Die Japaner waren nicht immer einverstanden mit bestimmten Kanji, die für eine Silbe verwendet werden sollten. Meistens wurden hunderte Kanji für ein und dieselbe Silbe verwendet, weil die Japaner wahnsinnig waren. Das ging so weit, dass sich neben den Hiragana gewisse “Standards” von Man’yōgana, die sogenannten Hentaigana, herausgebildet haben, die sich als Alternative zu den Hiragana durchgesetzt haben. Eine Schriftreform im Jahre 1900 hat die Hentaigana aber abgeschafft. Ja, das habe ich jetzt nur erwähnt, um „Hentai“ schreiben zu können. Gnihihi.) Heutzutage verwendet man Hiragana hauptsächlich für Wörter, die nicht mit Kanji dargestellt werden können. Zudem wird auch alles, was irgendwie mit Grammatik zu tun hat, in Hiragana geschrieben. Hin und wieder sieht man auch japanische Vornamen in dieser Schrift.

Das ist eine sogenannte 50-Laute-Tafel zum trockenen Auswendiglernen der Zeichen. Früher haben Kinder die Kana mit einem Gedicht, dem Iroha (vielleicht bekannt durch einen Animetitel, den wir gesubbt haben), gelernt, aber da es früher auch Zeichen für „wi“ und „we“, die im Iroha vorkamen, ist das nicht mehr wirklich sinnvoll. Und noch früher, während Man’yōgana voll im Trend lagen, gab es möglicherweise sogar Zeichen für „ye“ und acht Vokale anstatt der fünf, die hier stehen!

Dummerweise fanden die gelehrten Klugscheißer, die am liebsten alles in Kanji hatten, und die männlichen Bad Boyz, denen eine so weiche, verschnörkelte Schrift viel zu feminin war, diese Hiragana gar nicht cool. Die Männer wollten aber auch unbedingt ihre eigene Silbenschrift! Darum haben sie sich ein paar gängige Man’yōgana angesehen, große Teile davon einfach abgeschnitten (kein Scherz) und aus den Überresten ihre eigene Schrift erfunden: Die Katakana.

Heute werden damit alle Wörter geschrieben, die aus fremden Ländern kommen, inklusive ausländischer Namen. Sehr oft stammt das „Grundwort“ aus dem Englischen, hin und wieder auch aus dem Niederländischen oder Portugiesischen (wegen des guten Kontakts zu diesen Ländern lange vor der erzwungenen Öffnung Japans in der Meiji-Restauration). Das sind aber natürlich nicht die einzigen Sprachen, die Japan in den letzten 150 Jahren aufgesaugt hat. Die lustigen Wörtchen boifurendo („boyfriend“, Freund in einer Liebesbeziehung) oder konpyūtā (Computer) werden in Katakana geschrieben, ebenso wie gerende (Gelände), dōberuman (Dobermann) und herupesu (Herpes). Die meisten deutschen Wörter sind medizinische Begriffe, da kurz nach der Zeit von Käpt’n Perry und der Öffnung Japans viele neugierige deutschsprachige Ärzte nach Japan strömten und so die Sprache prägten.

Genauso wie ein Hiragana-Zeichen bedeutet auch ein Katakana-Zeichen alleinstehend rein gar nichts. Es sind halt alles Silben. Ein einzelner lateinischer Buchstabe hat schließlich auch keine Bedeutung.

7.12.2014: Kompakter erklärt, Sachverhalte richtiggestellt… Ich hab fast den kompletten Text umgeschrieben, okay? :V

Weiterlesen

Gepostet von am 07.12.2014 | 21 Kommentare

 

Japanisch für den allergrößten Volltrottel, der sich niemals fortpflanzen sollte

Ein paar Gedanken

So. Nun, da ich die Sprache auch tatsächlich von Professoren und Muttersprachlern regelmäßig beigebracht bekomme und ich vollends überzeugt bin, dass ein bisschen Popkulturkonsum auf keinen Fall reicht, um zu verstehen, wie die japanische Sprache funktioniert (und selbst ein direkter Draht zu Japanern nicht ausreicht, da man eben nur konkrete Fragen stellen kann), bin ich zu dem Entschluss gekommen, dass der Kurs im momentanen Zustand weder inhaltlich noch teilweise schriftsprachlich meinen jetzigen Standards entspricht.

Nicht, dass ich damals nur Halbwahrheiten verbreitet hab, aber ich hab mich trotzdem letztens mal kurz dazugesetzt und mir ist aufgefallen, dass viele Dinge entweder unvollständig oder schlicht und ergreifend… suboptimal erklärt wurden. Das betrifft nicht nur den stofflichen Teil, sondern auch die Struktur, auf der ich den Kurs aufgebaut hab. Einiges, manchmal auch ganze Kapitel, halte ich im Nachhinein für komplett unnötig, es gibt aber auch Dinge, die ich nur nebenbei erwähnt hab und eigentlich mindestens einen eigenen Artikel für sich verdient hätten. Schlimmer noch, ich bin sogar davon ausgegangen, dass die Leser in einem bestimmten Bereich, den ich zuvor nie erwähnt hab, schon Vorkenntnisse haben, was das Ganze komplizierter macht, als es die japanische Sprache eigentlich ist.

Es fällt mir nicht leicht, das zuzugeben, aber das war mitunter der Grund, warum ich trotz ausreichender Zeit absolut keine Motivation hatte, am Kurs weiterzuarbeiten, auch, wenn es hieß, eine eingesessene Leserschaft zu verlieren. Ich hatte ihn zwar als Langzeitprojekt geplant, hab aber aufgrund Wissens, das ich noch nicht hatte, nie bemerkt, dass ich die Sache falsch konstruiert hatte. Der Kurs hat nett begonnen (auch, wenn ich viele Dinge heute anders formulieren würde), hatte aber ein kaputtes Grundgerüst, auf dem aber so erbarmungslos weitergebaut wurde, dass er mittlerweile zu einem großen, seltsamen Berg aus Irgendwas geworden ist. Ich will nicht sagen, ich hätte das Projekt längst abbrechen sollen, aber ich hätte es viel früher restaurieren sollen. Im jetzigen Zustand hilft er vielleicht Leuten, die bereits aktiv lernen und eine kleine Frage zum Stoff haben, aber keinen Anfängern, die höchstens ein paar Phrasen oder Wörter aus einem Anime oder einem Lied kennen.

Man könnte jetzt sagen: Gut, das war ja auch nie die Intention des Kurses! Und ich müsste dir da recht geben. In Kapitel 0 hab ich relativ deutlich erwähnt, dass der Japanischkurs eine Ergänzung zu etablierten Lernmaterialien darstellen und kurze Fragen, die eben beim Lernen auftreten, klären soll. Jetzt muss ich allerdings meinem Vergangenheits-Ich direkt ins Gesicht sagen: Darauf hab ich keine Lust mehr. Und es wär auch relativ unsinnig. Wie gesagt, ich kann nicht davon ausgehen, dass Leute Vorkenntnisse besitzen, und trotzdem Dinge erklären, die jeder kennt, der mal zehn Minuten in einem Japanischbuch geblättert hat. Es war vielleicht mein Plan, den Kurs als Lernergänzung zu verfassen, aber das Projekt ist darüber hinausgewachsen, und anstatt weniger relevante Texte ins Nirvana zu schießen, vervollständige ich lieber das bereits niedergeschriebene Wissen.

Das Projekt ist sicherlich nicht völlig kaputt oder gar tot, aber man könnte sagen, es ist krank und hat schon ein paar Fieberbläschen. Und die werde ich in nächster Zeit auskurieren, Kapitel für Kapitel. Was nicht heißt, dass nichts Neues mehr kommen wird.


tl;dr: Ich werd ein paar Texte überarbeiten oder eventuell neu schreiben. Der Kurs ist nicht tot! Du bist immer noch der allergrößte Volltrottel, der sich niemals fortpflanzen sollte!

Weiterlesen

Gepostet von am 06.12.2014 | 8 Kommentare

 

Japanisch für den allergrößten Volltrottel, der sich niemals fortpflanzen sollte

Kapitel 57-

Größer wie deiner

 

Ja, stimmt schon, den Witz im Titel hab ich in diesem Kapitel schon mal gerissen, aber das liefert mir eine wunderbare Ausrede, den Artikel zu verlinken, weil er etwas mit dem heutigen Thema zu tun hat. Lies ihn also. Ja, auch du… Ach, den Witz hab ich auch schon zu oft gerissen. Egal, lies!

Gelesen? Brav, dann hast du schon den Großteil von Kapitel 57 verstanden. Es geht diesmal nämlich um den Komparativ und Superlativ von Adjektiven. So viele Worte mit -tiv lassen dein Gehirn explodieren? Keine Sorge, die Schulgrammatik hat sich auch deutsche Wörter dafür einfallen lassen, damit sich Leute mit dem IQ einer Scheibe Brot (wie du!) solche total schwierigen Römerworte merken können. Die spinnen, die Lateiner!
Kurz: Es geht um die Mehrstufe („größer“) und die Meiststufe („am größten“) von Wie-Worten. Lange Einleitung ist lang.

Wie man den Komparativ („Mehrstufe“) bildet, weiß man eigentlich schon, wenn man im oben verlinkten Artikel schmökert. Das hast du doch getan, oder?
Jedenfalls kann man in einem japanischen Satz mit より und の方が bereits so ziemlich jeden Vergleich ziehen, den man sich ausdenken kann. Hans hat ein teures Auto? 俺の方が高い。 Berta ist dick? ベルタよりペーターの方が太い。 Nachts ist es kälter als draußen? 閲覧者を混迷させないでよ。
Dadurch erkennt man aber ziemlich schnell, dass diese Art von Vergleich wenig mit unserem deutschen Verständnis eines Komparativs zu tun hat. Gut, einerseits verändert man im Deutschen das Wort selbst („Flexion“), aber der größte Unterschied ist doch, dass man im Japanischen augenscheinlich ein Subjekt braucht, um bloß den Komparativ eines Adjektivs darzustellen. Im Deutschen sag ich einfach: „Schlauer! Schneller! Gefräßiger!“ Im Japanischen will das irgendwie nicht so recht klappen, weil man weder より noch の方が ohne ein Objekt oder Subjekt verwenden kann. Ist halt so.

Aber was ist, wenn ich euch erzähle, dass es auch ohne より und の方が geht? Und was ist, wenn ich euch erzähle, dass diese Satzeinleitung jeder mit der Matrix-Trilogie verbindet, aber nie in einem einzigen der Filme vorkam?

Nun, es geht auch mit dem Adverb もっと. Das bedeutet ganz simpel „mehr“ und kann man alleinstehend oder in Verbindung mit dem anderen Quatsch verwenden, den wir uns bereits angeschaut haben. もっと ist allerdings etwas informeller als die hübschere Variante mit einem reinen より und/oder の方が.

 

Grundform Komparative Verwendung mit もっと
涼しい
suzushii
kühl
もっと涼しい
motto suzushii
kühler
暖かい
atatakai
warm
もっと暖かい
motto atatakai
wärmer
古い
furui
alt
君の母よりもっと古い
kimi no haha yori motto furui
älter als deine Mutter
遅い
osoi
langsam)

おれのインターネット接続のほうがもっと遅い
ore no intānetto setsuzoku no hou ga motto osoi
Meine Internetverbindung ist langsamer. In einem Monat zieh ich in ein Studentenheim, da werd ich dann erfahren, was „langsames Internet“ überhaupt bedeutet! D:


Joa, einfach ein もっと vor das Adjektiv setzen und ihr könnt in die Ecken eurer japanischen Sätze hineinkomparieren, was das Zeug hält.

Bevor ich nun zum Superlativ übergehe und weil es noch ein kleines Detail von より gibt, das aber zu klein ist, um es in einem eigenen Kapitel zu erklären: より ist auch ein Adverb, das man vor ein Adjektiv oder ein anderes Adverb setzen kann, um daraus den Komparativ zu zaubern. Beispiel: 彼はフランス語がより上手です。 – “Sein Französisch ist besser”; naichの日本語授業を読むのはよりつまらない。 – “naichs Japanischkurs zu lesen ist langweiliger”;

Und wie geht jetzt der Superlativ? Die Meiststufe? Wer glaubt, man könnte es mit einem einfachen, kurzen Adverb ebenso simpel lösen wie beim Komparativ, der… hat recht. Zumindest zum Teil.

Es geht zwar schon mit dem Wort もっとも (und anhand des Kanji kann man oft erkennen, dass das entsprechende Adjektiv ohnehin nur in Superlativform existiert, zB bei 最高, also saikou („am besten“)), aber natürlich haut uns die kleine Fee der japanischen Sprache mal wieder einen Höflichkeitsfelsen in den Weg. Nur, dass dieser Felsen höchstens die Masse eines Kieselsteins besitzt, denn es gibt eine höfliche Variante von もっとも, die man einfach anstelle dessen einsetzt. Sie heißt 一番. So steht es zumindest im Wörterbuch, in Wahrheit hört man aber 一番 auch unter Freunden viel öfter als もっとも.

 

Grundform Superlative Verwe-


Halt! Bevor sich die nervige Beispieltabelle einschleicht, gibt es noch zu sagen, dass eine dritte Möglichkeit für die Superlativbildung existiert. Sie ist definitiv die interessanteste von allen und zeigt mal wieder, wie geschickt man sprachliche Regeln verwenden kann, um etwas Bestimmtes auszudrücken. Nehmen wir doch als Beispiel: „Ich bin am bravsten.“ (Der Wahrheitsgehalt tut übrigens nichts zur Sache.) Was impliziert denn diese Aussage im Umkehrfall? Sie impliziert, dass niemand braver ist als ich. Ist klar, wenn ich am bravsten bin, stehe ich auf Santa Claus’ Liste der artigen Kinder ganz oben und alle, die darunter kommen, sind, wenn auch nur ein Funken, weniger brav als ich. Diesen „Umweg“ nimmt sich die japanische Sprache zum Vorbild. Ich bin der bravste? Pah! Lieber: „Ich bin braver als jeder (andere)!“ Die kleine Fee ist entzückt!

Praktischerweise wissen wir schon, wie man solche Aussagen beschreibt: Mit dem netten, kleinen Satzkonstrukt, das im oben verlinkten Artikel beschrieben ist. Konkret geht das mit 誰より und 何より. Jetzt darfst du, Beispieltabelle.

 

Grundform Superlative Verwendung

暗い
kurai
dunkel

もっとも暗い
mottomo kurai
am dunkelsten

狭い
semai
eng

もっとも狭い
mottomo semai
am engsten

辛い
karai
scharf, würzig

一番辛い
ichiban karai
am schärfsten

柔らかい
yawarakai
weich, sanft

一番柔らかい
ichiban yawarakai
am weichsten

太い
futoi
dick
誰よりも太い
dare yori mo futoi
am dicksten
(wörtl.: „dicker als irgendein anderer“; an wen hab ich wohl wieder gedacht?)
興味のない
kyoumi no nai
langweilig
何より興味のない例題
nani yori kyoumi no nai reidai
die langweiligsten Beispiele
(mehr oder weniger wörtl.: „Beispiele, die langweiliger als alles Mögliche sind“)

Ende.

Weiterlesen

Gepostet von am 01.09.2014 | 39 Kommentare

 

Japanisch für den allergrößten Volltrottel, der sich niemals fortpflanzen sollte

Kapitel 56-

SOCK! POW! BONG! Die Abenteuer von Adjektivman & Adnomin

 

Mal gucken, wie lang das Kapitel wird. Wahrscheinlich nicht sehr lang, weil’s dazu nicht viel zu erzählen gibt und ich wenig zu schreiben habe. Umso besser für mich! Suck it, noobs!

Vielleicht erinnert sich ja der eine oder andere noch an Kapitel 54, in dem es um die Einsatzmöglichkeiten von japanischen Adjektiven ging. Ihr wisst schon, dieses eine Kapitel, in dem es lustige Bilder gab und in dem ich nachträglich über 9000 Rechtschreib- und Grammatikfehler ausbessern musste. Ja, genau das. Gibt ja nur 55 Artikel zu Auswahl. Wer sich nicht erinnern kann, weil er das Kapitel bisher übersprungen hat, ein verdammt langsamer Leser ist oder einfach von der byzantinischen Gottheit Dementia besucht wurde (Aber nehmt mich hierbei nicht beim Wort), klickt nun bitte auf den Link und liest, wie man Adjektive in der japanischen Sprache verwendet. Ja, auch du. Und du. Ja, sogar du diesmal, weil die Rechtschreibfehler schon ausgebessert wurden. Ha!

Jedenfalls haben wir darin behandelt, dass man Adjektive in prädikativer (“Ernst ist ernst“), attributiver (“toller Tolbert”) und adverbialer (“dumm grinsen”) Form verwenden kann, und das ist auch gut so. Wenn man bedenkt, dass man diese Adjektive allesamt ziemlich flexibel verbiegen kann, um daraus Verneinungen, Vergangenheitsformen usw. zusammenzuflicken, muss man schon zugeben, dass japanische Adjektive die Superhelden in dieser Sprache sind! Und was braucht jeder Superheld? Natürlich einen kleinen, nervigen Sidekick ohne Selbstwertgefühl, der immer zu seinem Idol aufsieht, aber nie selbst was auf die Reihe kriegt. Dieser Sidekick sind im Japanischen die sogenannten Adnomen.

Japanischen Adnomen (連体詞, rentaishi) sehen oberflächlich erst mal aus wie ganz normale na-Adjektive, es fehlt ja schließlich das am Ende. Sie sehen normal aus, bis man merkt, dass sie in allen Beispielen, die man findet, als Attribut gebraucht werden. Und das fehlt irgendwie auch ständig. Das ist auch schon die erste Besonderheit von Adnomen: Sie können NUR in attributiver Form verwendet werden. Man wird sie in freier Wildbahn nie als Prädikat oder Adverb sehen, das wär grammatischer Unfug. Weil ist so.

Na ja, eigentlich hat das schon einen Grund, und dieser lautet Konjugierbarkeit. Adnomen kann man nämlich nicht, wie ich oben so schön geschrieben hab, in andere Formen biegen, wie man gerade lustig ist. Sie sind statisch und vollkommen unflektierbar. Ein Wort aus einer eigenen Adjektiv-ähnlichen Wortgruppe, das sich weder verneinen noch flux-kompensieren noch ver-”höflichen” lässt, ist daher verdammt ungeeignet für den prädikativen Einsatz. Ich will ja schließlich auch sagen können, dass mein Bauch nicht groß ist oder groß war. Aber die kleine Fee der japanischen Sprache knallt uns da mit Trillerpfeife im Mund ein Stoppschild ins Gesicht.

Diese zwei Eigenschaften (nur als Attribut und unflektierbar) haben alle Adnomen gemeinsam. Das bedeutet, dass sie mit Adjektiven eigentlich fast nichts zu tun haben. Diesmal ist es aber nicht meine Schuld, dass die Allegorie am Beginn ziemlicher Stuss ist, denn fast überall im Internet werden Adnomen mit stinktnormalen Adjektiven verglichen. Ich denke, das hat einen ganz bestimmten Grund, aber der folgt nach der üblichen Verständnis-Beispieltabelle.

Wort Verwendung
とある
toaru
bestimmte/r/s, gewisse/r/s

とある錬金術のフットノート
toaru renkinjutsu no footnote
eine gewisse alchemistische Fußnote. (Die Anspielung versteht sicher niemand!)

この/その/あの/どの
kono/sono/ano/dono
siehe hier; funktioniert auch mit ~nna
あの魔法の足の爪はあたしのです!
ano mahou no ashi no tsume wa atashi no desu!
Dieser magische Fußnagel gehört mir!
いわゆる
iwayuru
sogenannte/r/s
いわゆる「ロリ」とは人間存在の進展だ。
iwayuru “Loli” to wa ningensonzai no shinten da.
Sogenannte “Lolis” sind die nächste Evolutionsstufe des menschlichen Daseins.

大した
taishita
groß, außergewöhnlich

お前のゾンビ軍隊、大したもんじゃん!
omae no zombie guntai, taishita mon jan!
Coole Sache, deine Zombiearmee!
単なる
tannaru
bloß, nur
あの「ゲッビお兄ちゃん」という男は単なる偽者よ。
ano “Gebbi-onii-chan” to iu otoko wa tannaru nisemono yo.
Dieser “Brüderlein Gebbi” ist doch nichts weiter als ein Hochstapler.
大きな
ookina
groß
南アのステップの虫は中々大きな昆虫である。
nan’a no suteppu no mushi wa nakanaka ookina konchuu de aru.
Südafrikanische Steppenwürmer sind recht große Insekten. (Beispielsatz © Gebbi
)


Auf den letzten Satz wollte ich oben hinaus. Da steht ein verdammtes am Ende von 大きな, also muss das ein na-Adjektiv sein!!!!111einself

Nein, das ist eben genau der Fehler und gleichzeitig der Grund, warum Adnomen so oft mit na-Adjektiven verglichen werden. Weil 大きな (und 小さな übrigens auch) ein hinten dranstehen hat. Wenn das nicht der bescheuertste Grund des Jahrhunderts ist. Aber ich kann euch versichern, 大きな und 小さな sind Adnomen.
Ich bin naich, ihr könnt mir vertrauen.

Weiterlesen

Gepostet von am 12.08.2014 | 34 Kommentare

Seite 1 von 10123410»»