Japanisch für den allergrößten Volltrottel, der sich niemals fortpflanzen sollte

Kapitel 41-

Und, und, und…

Mit „und“ kann man in der deutschen Sprache Dinge aufzählen. Das japanische Äquivalent dazu ist die Partikel to (と), die genau eines bedeutet: „Und“.
… Ja, schön wär’s. To hat nämlich gleich drei Bedeutungen, die allesamt wichtig sind.

Zum einen kann man damit Sachen aufzählen.

Ich mag Kekse to Kuchen.
Wie man sieht, kann man to bei Aufzählungen wirklich 1:1 mit dem deutschen „und“ ersetzen. Leider hat es natürlich, wie im Japanischen üblich, eine etwas andere Bedeutung als im Deutschen…

Mit to meint man nämlich eine abgeschlossene Aufzählung, also eine bereits vollständige Liste von Dingen. Anders gesagt müsste der Satz eigentlich „Ich mag Kekse und Kuchen und sonst nichts anderes“ heißen. Aber was ist, wenn ich neben Keksen und Kuchen auch noch Rostbraten mag?

Dafür existiert die kleine Partikel ya. („Ich mag Kekse ya Kuchen.“) Das verwende ich, wenn die genannte Liste nur eine Teilmenge des Ganzen sein soll, also: „Ich mag Kekse und Kuchen und so weiter“ oder „Unter anderem mag ich Kekse und Kuchen“. Das klingt möglicherweise ungewöhnlich in der deutschen Sprache, weil wir solche Dinge bereits implizieren, aber in der japanischen ist der Unterschied wichtig!

Beschränken wir uns aber auf to, weil’s da viel mehr zu erzählen gibt und damit außerdem solche Monstersätze gebildet werden können:

Im Wasser schwamm eine Ente to ein Fisch to ein Schwan to ein Krokodil to ein Breitkopf-Querzahnmolch to…
Dabei darf man das to nie weglassen. Man kann in der deutschen Sprache zwar bei den ersten paar Aufzählungspunkten auf das „und“ verzichten und stattdessen ein Komma einsetzen, aber ein Japaner kann verdammt wütend werden und dich aus dem Fenster werfen, wenn er merkt, dass du deutsche Grammatik benutzt und das to weglässt. Ich spreche aus Erfahrung!

To darf man auch wirklich nur bei Aufzählungen von Gegenständen verwenden. Sätze kann man damit nicht verbinden! „Ich gehe über die Straße to danach treffe ich Franz.“ ist grammatikalisch falsch. Wenn man Sätze auf Japanisch verbinden will, sollte man die Te-Form von Verben oder irgendwelche Konjunktionen (zB sorekara) verwenden.

Außerdem kann to mit“ bedeuten. Allerdings im Sinne von „mit jemandem“, und nicht „mit einem Gegenstand etwas tun“, denn das geht mit der Partikel de, zu der bestimmt auch irgendwann mal ein Kapitel kommt. Irgendwann.

Ich gehe meine Freundin to auf mein Zimmer.
„Ich gehe mit meiner Freundin auf mein Zimmer.“ auf gut Deutsch. Sollte klar sein.


 

Okay, zweite Bedeutung von to: „Wenn“ bzw „Sobald“.

Ich töte dich to, meine Rache ist vollendet.
„Wenn ich dich töte, dann ist meine Rache vollendet.“ Das to bezieht sich auf den kompletten Teilsatz davor, und nicht nur auf ein einzelnes Nomen wie vorhin bei den Aufzählungen.

Man kann auch den to-Teilsatz einfach nach vorne schmeißen. Sätze wie:
Ich esse Pizza wie ein armer Student, ich komme nach Hause to.
sind erlaubt. „Ich esse Pizza wie ein armer Student, sobald ich nach Hause komme.“ funktioniert auch auf Deutsch gut.

In chinesischen Zeichentrickpornos hört man auch manchmal Personen am Ende eines Satzes ein to sagen. Beispiel:
Susi schafft es nicht rechtzeitig zum Bus to

„Wenn Susi es nicht rechtzeitig zum Bus schafft…“ dann passiert vermutlich irgendwas Schlechtes. Dann muss sie wahrscheinlich den Zug nehmen, wo der doofe Nick drinsitzt.

To ersetzt aber nicht das “echte” schließende Anführungszeichen, sondern wird zusätzlich da eingesetzt, wo wir im Deutschen so ein Zeichen setzen würden. Das heißt nicht, dass es im Japanischen keine Anführungszeichen gibt, die sehen nämlich so aus: 「ベニス」

Es gibt ziemlich viele Worte für „Wenn“ und „Sobald“ im Japanischen, aber die anderen kommen… irgendwann mal.


Die dritte Bedeutung von to ist das Anführungszeichen oben ( “ ). (Hihi, ein Dango)
Kein Scherz, to fungiert auch als sogenannte Zitatpartikel. Sobald man ein Zitat (oder eine gewisse Phrase oder einen Eigennamen) beendet hat, sagt man to, und fährt danach mit dem Satz fort.

Deine Mutter ist fett to, hat er behauptet!
Wenn man sich am Anfang die Anführungsstriche denkt und das to nochmal mit Anführungsstrichen ersetzt (also „’Deine Mutter ist fett’, hat er behauptet!“) dann erkennt man ziemlich schnell, was gemeint ist.

Super-Wayne to werde ich genannt.
Hier wird ein Eigenname „zitiert“. Alles, das man normalerweise unter Anführungszeichen setzt, beendet man im Japanischen mit to. Das sieht vielleicht ungewöhnlich aus, ist aber eigentlich nicht schwer.

 

Langsam aber sicher gehen mir die vorgefertigten Kapitel aus. Eigentlich hab ich nur mehr ein einziges übrig… Vielleicht pausiere ich den Kurs demnächst ja mal ‘ne Weile. :3

Autor:
Datum: 02.12.2012
Kategorien: Blog, NanaOne-Japanischkurs

  1. 1 | Skatekid

    Ich mag Wochenende to Urlaub.

  2. 2 | Zockerfreak

    Wooot?! oO
    Pause? Nix da! ;D

    Wäre schade… Freu mich immer aufm Sonntag um was neues zu lernen ^^
    Auch wenn ich es sicher am nächsten Tag wieder vergessen habe :D

    Du gehst in die Pause to, geh ich sterben.

    :D

  3. 3 | Drekelmann

    Ich mag Kekse to Kuchen.

    Würde man in so einem Satz nicht ya verwenden, weil die Aufzählung eventuell unvollständig ist?

    Man kann auch den to-Teilsatz einfach nach vorne schmeißen.

    Die Erklärung passt nicht zum Beispiel darunter. Oder ich verstehe sie nicht. Der to-Teilsatz steht doch hinten, oder?

    “to” in der Bedeutung “wenn” – nur konditional oder auch temporal? Mir ist bisher nur die konditionale Variante bekannt (wenn-dann als Naturgesetz oder zwingende Konsequenz) und ich finde, ein temporales “wenn” (aka “sobald”) ist davon inhaltlich mitunter sehr weit entfernt.

    Vielleicht pausiere ich den Kurs demnächst ja mal ‘ne Weile

    Bitte nicht, naich… :(

    • 4 | naich

      Würde man in so einem Satz nicht ya verwenden, weil die Aufzählung eventuell unvollständig ist?

      Guter Einwand, ya hatte ich völlig vergessen zu erwähnen. Das Beispiel werde ich umschreiben und zusätzlich ya erklären.

      Die Erklärung passt nicht zum Beispiel darunter. Oder ich verstehe sie nicht. Der to-Teilsatz steht doch hinten, oder?

      Vielleicht hat sich da mal wieder mein Dialekt eingeschlichen, aber “vorn” ist für mich die Richtung, in der der Satz “zeigt”, also Richtung Satzzeichen am Ende.

      “to” in der Bedeutung “wenn” – nur konditional oder auch temporal? Mir ist bisher nur die konditionale Variante bekannt (wenn-dann als Naturgesetz oder zwingende Konsequenz) und ich finde, ein temporales “wenn” (aka “sobald”) ist davon inhaltlich mitunter sehr weit entfernt.

      Du hast vollkommen recht, und ich hab ehrlich gesagt keine Ahnung, was in mich gefahren ist, als ich diesen Teil des Kapitels geschrieben hab^^

      Bitte nicht, naich… :(

      Na gut… A-Aber ich tue das nicht, weil ich dich mag oder so! B-Baka! :O

      • 5 | Drekelmann

        Vielleicht hat sich da mal wieder mein Dialekt eingeschlichen, aber “vorn” ist für mich die Richtung, in der der Satz “zeigt”, also Richtung Satzzeichen am Ende.

        Witzig, ich hätte es generell genau umgekehrt interpretiert… Egal, ich verstehe jetzt, wie’s gemeint ist.

        Generelle Frage zu japanischen Nebensätzen (ja, ich weiß, sofern man sie mit deutschen Nebensätzen vergleichen kann): Kann man die generell auch ans Hauptsatzende setzen (wie oben) oder geht das nur in Ausnahmefällen bzw. Umgangssprache?

      • 6 | Hughes

        “To” kann durchaus auch temporal verwendet werden. Übersetzt wird es dann gewöhnlich mit “als”, nicht mit “wenn”. Ein sehr bekanntes, weil oft zitiertes Beispiel (Beginn von Yasunari Kawabatas Novelle “Yukiguni” (deutscher Titel: “Schneeland”)):

        国境の長いトンネルを抜けると雪国であった。(Kunizakai no nagai tonneru wo nukeru to yukiguni de atta.)…Als er [gemeint ist der Zug] aus dem langen Grenztunnel herauskam, war da ein Schneeland.

        Da aber vermutlich mehr Zeichentrickfans als Literaturliebhaber hier vorbeischauen: Der Titel der zweiten Folge (= Kapitel 3) von “Sayonara Zetsubô-sensei”, “トンネルを抜けると白かった” (Tonneru wo Nukeru to Shirokatta), spielt genau auf oben erwähnte Zeile an und beinhaltet ebenfalls das temporal verwendete “to”.

        • 7 | Drekelmann

          Übersetzt wird es dann gewöhnlich mit “als”, nicht mit “wenn”

          Aber sicher nicht mit “sobald”, oder wenn, dann nur in sehr wenigen Situationen, in denen es passt, oder?

          雪国であった

          Würde man einen für unbekanntes Publikum geschriebenen Text – hier in einer Novelle – nicht normalerweise in der höflichen Form (でありました oder でした) schreiben? Oder ist das bei Literatur beliebig?

          • 8 | Hughes

            Ad sobald: Wird “to” konditional gebraucht, übersetzt man es mit “wenn, falls, sobald”, in seiner temporalen Verwendungsweise mit “als”.

            “Würde man einen für unbekanntes Publikum geschriebenen Text [...] nicht normalerweise in der höflichen Form [...] schreiben? Oder ist das bei Literatur beliebig?” – Die verschiedenen Sprachebenen haben im Japanischen eben gewisse Konnotationen, das gilt auch für die Literatur. Warum sollten sie dort austauschbar sein? Freilich macht sich die Literatur aber diese Eigenschaft der japanischen Sprache zunutze. Möchte ein Autor beispielsweise einen versnobten, überheblichen Charakter darstellen, so läßt er diesen weniger informelle, sondern viel eher besonders höfliche Verbformen verwenden, weil diese auch Distanz und Arroganz vermitteln können. (Für Übersetzer stellt sich dann jedoch das Problem, wie diese Arroganz in die andere Sprache hinübergerettet werden kann. Wörtliche Übertragung bringt da oft wenig. Aber das ist eine andere Geschichte – daher die Klammer. Zurück zu Deiner eigentlichen Frage:)
            Bei Kawabatas Satz ist, da der Leser ja nicht direkt angesprochen wird, auch keine höflichere Form der Kopula vonnöten. Wenn Dir z. B. jemand auf Japanisch erzählt, was gestern alles passiert ist, dann wird er ebenfalls weniger mit “deshita” oder Verbformen auf -mashita hantieren, sondern die informelle Sprachebene wählen. Beispiel: Nachrichten in Zeitungen. Würde man hingegen mit einem “Lieber Leser, wie geht es Ihnen heute?” o. ä. eine Geschichte beginnen, wodurch der Leser also direkt angesprochen wird, dann ist eine höflichere Sprachebene ratsam.

            Wer tiefer in Kawabatas Schneeland eintauchen will, kann z. B. Tilman Spengler hier zuhören: http://www.br.de/fernsehen/br-alpha/sendungen/klassiker-der-weltliteratur/kawabata-yasunari-schneeland-roman100.html.

            Zu “to” sei noch nachträglich erwähnt, daß
            - “A と B と C と D” zwar, wie naich richtig erklärte, nicht analog zum Deutschen mit “A, B, C と D” wiedergegeben werden kann, dafür aber mit “A と B, C, D”.
            - es kein Anführungszeichen ist. Zitatpartikel, ja. Anführungszeichen oben, nein. Das Japanische kennt eigene Anführungszeichen, die wie halbe eckige Klammern aussehen.
            Beispiel: 佐藤さんが「菊が好きです。」と言いました。(Satô-san ga “Kiku ga suki desu.” to iimashita.)…Herr Satô sagte: “Ich mag Chrysanthemen.”

          • 9 | Drekelmann

            Entschuldige, “beliebig” war vielleicht das falsche Wort. Dass in wörtlicher Rede die Höflichkeitsstufe dem Charakter und der Situation angepasst wird, ist natürlich klar (und im Deutschen ja auch nicht anders). Ich habe aber z.B. beim Lesen der japanischen Übersetzung vom “Wolf und den sieben Geißlein” (狼と七ひきのこやぎ ookami to shichi hiki no koyagi) festgestellt, dass – anders als in der wörtlichen Rede – im vom (neutralen) Erzähler berichteten Teil des Textes ausschließlich höfliche Formen verwendet werden (Anfangssatz むかしむかし、。。。七ひきのこやぎたちがすんでいました。 mukashimukashi, … shichi hiki no koyagitachi ga sunde imashita). Daher meine Frage.

          • 10 | naich

            - es kein Anführungszeichen ist. Zitatpartikel, ja. Anführungszeichen oben, nein. Das Japanische kennt eigene Anführungszeichen, die wie halbe eckige Klammern aussehen.

            Entschuldige, aber ich habe nie behauptet, to wäre das japanische Anführungszeichen. Ich habe die Partikel lediglich damit erklärt, dass sie eingesetzt wird, wenn wir im Deutschen ein schließendes Anführungszeichen setzen – nicht, dass sie “die” japanischen Anführungszeichen repräsentiert.

  4. 11 | Hughes

    @Drekelmann:
    Ich muß zugeben, daß ich mich bei Märchen leider nicht gut auskenne. Ich schaue mir zwar gerne das gegenwärtig laufende “Furusato Saisei: Nippon no Mukashibanashi” (ich glaube, im Englischen wird es “Folktales from Japan” genannt) an, habe dabei aber weniger auf die Sprachformen als auf die kulturellen Aspekte Wert gelegt (und ich sehe es gerne mit meiner kleinen Nichte). Miyazawa Kenji war davor mein einziger Berührungspunkt mit japanischen Märchen. Gelesen hatte ich aber bis vor Deinem Kommentar keines seiner Werke in Originalsprache. Also bin ich zu Aozora Bunko gegangen und habe den Beginn von Miyazawas “Chûmon no Ôi Ryôriten” (deutscher Titel: “Das Restaurant mit den vielen Bestellungen”) überflogen (http://www.aozora.gr.jp/cards/000081/files/43754_17659.html). Danach habe ich in eine Folge erwähnter Serie kurz reingehört. Fazit: Alle vier Geschichten verwenden beim Erzähler die höfliche Sprachebene.
    Natürlich sind vier (mit Deinem fünf) zu wenig Beispiele, um eine generelle Aussage zu tätigen, aber eine bisherige Quote von 100 %, läßt doch vermuten, daß Du völlig recht hast, was die vom Erzähler verwendete Sprachebene in Märchen betrifft.
    Meine Theorie hierzu ist, da sich Märchen ja vorwiegend an Kinder richten und diese, wenn ihnen immer wieder höfliche Sprache vorgelesen wird, die entsprechenden Verbformen durch das wiederholte Hören auch in Fleisch und Blut aufnehmen. Das scheint mir in einem Land wie Japan, in dem auf die Etikette sehr viel Wert gelegt wird, zumindest naheliegend. Die Kleinen lernen also neben der “Moral von der Geschicht‘” auch höfliche Ausdrucksformen.

    @naich:
    “[...] ich habe nie behauptet, to wäre das japanische Anführungszeichen” – “Die dritte Bedeutung von to ist das Anführungszeichen oben” ist allerdings anders zu interpretieren.

    “Ich habe die Partikel lediglich damit erklärt, dass sie eingesetzt wird, wenn wir im Deutschen ein schließendes Anführungszeichen setzen” – Sie wird zusätzlich zu dem schließenden Anführungszeichen eingesetzt. Der springende Punkt ist das Wort zusätzlich. Deiner Formulierung nach könnte angenommen werden, “to” ersetze das schließende Anführungszeichen. Ein Beipielsatz in Japanisch hätte die Mehrdeutigkeit beseitigen können, deswegen habe ich auch oben einen solchen folgen lassen.

    Bitte entschuldigt beide, wenn meine Formulierung zuvor zu rüde war. Ich wollte bestimmt niemanden von Euch beleidigen.

    • 12 | naich

      Hm, okay, dann ist es wohl an der Formulierung gescheitert. Ich werd’s umschreiben.

      Und nein, ich fühle mich nicht beleidigt. Ich wiederhole mich gerne, wenn ich sage, dass sowohl positive als auch negative Kritik erwünscht ist, sonst wären meine Texte viel fehlerbehafteter. ;)

      • 13 | Drekelmann

        läßt doch vermuten, daß Du völlig recht hast, was die vom Erzähler verwendete Sprachebene in Märchen betrifft

        Ja, gut, ich hätte bloß Märchen nicht in eine generell andere Kategorie von Schriftwerk eingeordnet als Novellen, Romane usw. (und wenn, dann eher in eine “weniger formelle”), war also nicht davon ausgegangen, dass bezüglich der “Höflichkeit des Erzählers” da bedeutende Unterschiede vorliegen.

        Die Kleinen lernen also neben der “Moral von der Geschicht‘” auch höfliche Ausdrucksformen.

        Klingt logisch. Nachvollziehbar ist die Formalitätstrennung zwischen den beiden Höflichkeitsstufen im Japanischen für mich leider trotzdem noch nicht – dass auch der, wenn man so will, “Sprachstil eines Erzählers” in einem Roman unterschiedlich sein kann, ist für mich im Moment verständlicher, als dass z.B. Zeitungsartikel mit weniger formeller Sprachebene geschrieben werden. Im Deutschen würden wir ja auch nicht einfach den Sprachstil herunterschrauben, nur weil wir unseren Leser nicht direkt ansprechen.

  5. 14 | Hughes

    “[...] ist für mich [...] verständlicher, als dass z.B. Zeitungsartikel mit weniger formeller Sprachebene geschrieben werden. Im Deutschen würden wir ja auch nicht einfach den Sprachstil herunterschrauben, nur weil wir unseren Leser nicht direkt ansprechen.” – Ich glaube, Du siehst das Ganze zu sehr durch die deutsche Brille, und vergißt, daß im Japanischen die informelle Sprachebene als normal aufgefaßt wird. Das Märchen ist die Ausnahme! Denn man spricht so im Familien- und Freundeskreis. Nachrichten werden so wiedergegeben. Zeitungen, Romane und wissenschaftliche Publikationen werden darin verfaßt. Meist ist sie also keineswegs unhöflich. Auch wenn die andere wichtige Sprachebene in deutschen Sprachführern als höflich bezeichnet wird, heißt das noch lange nicht, daß die informelle im Gegensatz dazu unhöflich ist. Schuld an diesem “Imageproblem” haben auch die deutschen Lehrbücher selbst, weil sie Beispielsätze oft in der höflichen desu-masu-Form schildern, obwohl diese eigentlich realitätsfern ist, sofern es sich dabei nicht um direkte Reden handelt. Daß dann der Leser denkt (oder zumindest eher annimmt) “Aha, dann ist die desu-masu-Form also normal!”, liegt auf der Hand. Bei obigem Beipielsatz mit Herrn Satô bin ich dem ebenfalls auf den Leim gegangen, denn eigentlich gibt es gar keinen Grund “iimashita” statt “itta” zu schreiben.
    Darüberhinaus sind informelle Verbformen aufgrund ihrer Kürze auch noch praktischer als ihre höflichen Pendants – ein Vorteil, der nicht nur beim Sprechen zur Geltung kommt. So sparen etwa die Printmedien wegen der geringeren Anzahl an Schriftzeichen an Tinte und Papier. Aber der größte Vorteil ist, daß dadurch, wenn auch ebenfalls nur geringfügig, Texte schneller gelesen werden können.

    “Im Deutschen würden wir ja auch nicht einfach den Sprachstil herunterschrauben, nur weil wir unseren Leser nicht direkt ansprechen.” – Das ist reine Spekulation, weil das Deutsche diese Möglichkeit gar nicht hat, die das Japanische bietet. Es unterscheidet nicht bei Verben. Sie sind immer gleich höflich, unhöflich oder was auch immer, egal in welcher Form sie stehen. Dinieren ist immer fein, fressen immer derb. Es muß sich statt dessen andere Formulierungen mit komplett anderen Wörtern einfallen lassen, um an der Höflichkeitsschraube zu drehen. Ich möchte hierzu naich zitieren (mit kleiner Änderung; siehe Fußnote), dem dazu ein tolles Bonmot gelang (Dessen inhaltliche Aussage soll keine Anspielung sein und ist deshalb bitte keinesfalls persönlich zu nehmen. Ich fand die Gegenüberstellung einfach nur witzig, als ich sie las):

    Anata ga baka desu…Mit Verlaub möchte ich Sie höflichst darauf hinweisen, daß sie momentan nicht besonders zurechnungsfähig sind.*
    Anata ga baka da…Du bist blöd.

    Ein Vergleich mit dem Deutschen drängt sich also m. E. nicht auf. Vergleiche sind nur mit Sprachen zulässig, die ebenfalls verschiedene Höflichkeitsformen am Verb abbilden können.
    Die Verwendung informeller Sprache mag für Dich in diesen Fällen seltsam erscheinen, aber für den Japaner ist das normal. Der Erzähler im Märchen scheint hierbei nur einen Ausnahmefall zu bilden (Nebenbei: Danke fürs Aufmerksammachen.). Ob meine Theorie mit der Kindererziehung in Sachen höflicher Ausdrucksformen zutrifft, sollte Dir ein Japaner oder Japanologe sagen können. Eine andere Theorie, die mir gerade einfiel, wäre etwa, daß ein früher oder bedeutender Kompilator von Märchen sich diese Sprachebene aus irgendeinem Grund eingebildet hat und sein Werk dann zum Vorbild avancierte, sodaß daraufhin alle nacheifernden Märchenonkel die höflichen Verbformen für den Erzähler in ihren Geschichten wählten. Aber auch das ist nur eine Möglichkeit…
    ——
    * “Mit Verlaub” habe ich nach vorne gestellt, weil es nicht nur stilistisch dort hingehört, sondern da “ich” an erster Stelle bereits als anmaßend empfunden werden könnte, was dem untertänigen Stil und somit dem Witz des Satzes abträglich ist.

    • 15 | Drekelmann

      Entschuldige bitte die späte Antwort.

      Ich glaube, Du siehst das Ganze zu sehr durch die deutsche Brille, und vergißt, daß im Japanischen die informelle Sprachebene als normal aufgefaßt wird.

      Okay, ich weiß, dass mir hier häufiger vorgeworfen wird, zu “deutschfixiert” zu sein, aber das meinte ich gar nicht – mein Vergleich mit dem Sprachstil im Deutschen ist im Allgemeinen natürlich hinfällig (bzw., wenn überhaupt, erst bei den Sonkeigo-Varianten mancher Verben möglich). Auf die “normal / nicht normal”-Frage bin ich für mich persönlich bisher nicht eingegangen, weil ich davon ausging, dass die Höflichkeitsstufen im Japanischen eine reine “Kontextsache” sind, also “normal” vom Kontext abhängig ist. Und da hätte ich Texte für unbekannte Leser eben in den “höflichen Kontext” eingeordnet.

      Das ist reine Spekulation, weil das Deutsche diese Möglichkeit gar nicht hat, die das Japanische bietet.

      Ähm, genau.

  6. 16 | Drekelmann

    To ersetzt aber nicht [...] die sehen nämlich so aus: 「ベニス」

    1. Ich glaube, der Text sollte einen Block weiter unten landen.

    2. 「ベニス」という市は、今「ヴェネツィア」が言われた。

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