Der Fall John Yesterday: Ein Psycho-Adventure in Comicgrafik von den Entwicklern der Runaway-Serie.

Yesterday ist ein klassisches Point & Click-Adventure. Zu Beginn schlüpft ihr in die Rolle von Henry White, einem Millionärssohn, der für eine Organisation arbeitet, die sich um Obdachlose kümmert.

Eure erste Aufgabe führt euch in eine eingestürzte U-Bahn-Station, in der zwei Obdachlose leben. Dort angekommen, müsst ihr erst mal einige weniger schwere Rätsel lösen, wie zum Beispiel einen Koffer unter Trümmern hervorzuziehen, ein Münztelefon zu reparieren, das seltsamerweise trotz des Einsturzes immer noch funktioniert, eine eingeklemmte Münze aus einem Getränkeautomaten befreien und ein Vorhängeschloss knacken. Klingt nicht wirklich aufregend? Ist es auch nicht. Natürlich warten die Herren von Pendulo auch in einem Thriller mit ein paar kleinen Scherzen auf. Möchte man etwa ein Fliesenbild benutzen, wird man darauf hingewiesen, dass man zwar jede einzelne Fliese entfernen könne, dies aber doch sicher nicht tun wolle.

Nach einigen weiteren Rätseln findet ihr endlich die gesuchten Obdachlosen. Eine Gesprächssequenz poppt auf, ein “Foto” von eurem Gesprächspartner auf der linken Seite, eines von euch auf der rechten. Während des Gesprächs wird schnell klar, dass euer Gesprächspartner nicht mehr ganz sauber sein kann, nicht nur hygienisch gesehen. Euer Gesprächspartner ist der Hohepriester irgendeines kleinen satanistischen Kults, seine Anhänger sind Schaufensterpuppen und ein nicht weniger verrückter weiterer Obdachloser. Henry ist wegen Ketzerei angeklagt und ihm soll der Prozess gemacht werden.

Während des Prozesses fragt euch der Hohepreister nach einigen Schachzügen. Ihr habt jeweils vier Auswahlmöglichkeiten, eine falsche Antwort hat keine Konsequenzen, was dem ganzen ein wenig die Spannung raubt. Nun werdet ihr mit dem Helferlein des Hohepriesters in einen alten U-Bahnwagon geparkt und müsst nun Hilfe holen: Euren Freund Cooper, den wir im obersten Bild sehen. Bei seiner Rettungsaktion ploppen immer mal wieder Flashbacks auf, die Coopers Lagerleiter in einem Zeltlager zeigen, wie er ihn runterputzt. Es wird also auch auf die Psyche der Protagonisten eingegangen. Nach eurer Rettungsaktion vergehen mehrere Jahre und ihr schlüpft in die Rolle von John Yesterday.

Ihr erfahrt, dass John Yesterday von Henry für eine Ermittlung rund um einen satanistischen Kult angeheuert wurde. In Paris habt ihr einen Selbstmordversuch begangen und Henry hat eure Krankenhausrechnung übernommen und möchte, dass ihr nach Paris zurückkehrt und die Ermittlungen wieder aufnehmt. Damit beginnt eure Reise um die Welt, von New York nach Paris, Schottland, auf Berggipfel mit einem seltsamen alten Mönch, einen Antiquitätenladen, eine alte Kirchenruine und so weiter.

Die Rätsel sind leider etwas zu einfach. Oder zu logisch? Ich weiß es nicht. Aber wenn man doch mal nicht weiterkommen sollte, hilft die eingebaute Hilfefunktion. Man klickt auf die Glühbirne und erhält sofort einen Tipp zum nächsten Schritt. Habt ihr die Hilfe benutzt, könnt ihr diese einige Zeit lang nicht mehr benutzen. Selbiges gilt für den “Highlight-Button”, bei dem alle anklickbaren Dinge kurzzeitig durch weiße aufblinkende Punkte gekennzeichnet werden.

Die Geschichte ist im Großen und Ganzen stimmig und nach jeder Szene möchte man auch wissen, wie es weiter geht. Spannend von Anfang bis Ende, besonders durch die ganzen Wendungen. Durchaus eine Geschichte, die ich auch gerne in einem gut geschriebenen Buch gelesen hätte. Ein Buch auf dem Niveau von Grangé wäre es zwar nicht gewesen, aber dennoch unterhaltsam. Leider sind die Dialoge zeitweise leicht nervig und auch die Sequenzen, wenn man zum Beispiel einen “besonderen” Gegenstand aufhebt, sind nach dem ersten Mal doch recht störend.

Grafisch, finde ich, ist das Spiel auch durchaus gelungen. Zwar nicht auf dem neuesten Stand der Technik, aber bei den heutigen Budgets für Point & Click-Adventures ist das ja auch nicht anders zu erwarten. Die Landschaften sehen gut aus und passen farblich ins Gesamtbild. Was mich stark gestört hat, waren die Videosequenzen zwischen den Kapiteln. Blockbildung, Banding und so weiter, nur noch schlimmer als in den meisten Reviews von Gebbi. Das hat die gut gemachten Videosequenzen leider kaputtgemacht.

Die englische Synchronisation wartete meist mit passenden “Dialekten” auf. Franzosen sprachen Englisch, wie sich ein Deutscher das auch vorstellt. Leider wurde wohl teilweise bei den Aufnahmen geschlampft, der eine Satz war leiser als der nächste oder die Aufnahmequalität war geringer als bei dem vorangegangenen Satz. Aber darüber kann man hinwegsehen, da die Synchronsprecher gute Arbeit geleistet haben.

Leider ist das Spiel für einen Preis von 30€ etwas kurz geraten, ich hatte es bereits nach etwa 2 Stunden und 45 Minuten durchgespielt. Dafür bekam man als Vorbesteller aber noch “The next Big Thing” oben drauf, was dann pro Spiel einen Preis von 15€ macht. Ob das Spiel 30€ wert ist? Als Point & Click-Adventure Fan würde ich ja sagen. Ansonsten wartet man einfach auf den nächsten Steam-Deal und schlägt dann zu, die Story ist einfach zu gut, um sie nicht zu kennen.

Autor:
Datum: 26.03.2012
Kategorien: Blog, Gaming-Reviews

  1. 1 | blub

    da hat wohl jemand beim steam deal zugeschlagen :D

    ich kann nur stocking empfehlen ;)

  2. 2 | Eomyn

    Nein, ich hatte, wie im Artikel geschrieben, vorbestellt. Weil man da “The next Big Thing” dazu bekommen hat, was auch immerhin noch stolze 30€, für auch etwa 3 Stunden Spielzeit kostet.

  3. 3 | blub

    hatte ich wohl überlesen, aber ich meine gesehen zu haben das es letztens einmal daily deal war ;)

  4. 4 | Eomyn

    Unwahrscheinlich, da das Spiel erst am 22. März erschienen ist.

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