Japanisch für den allergrößten Volltrottel, der sich niemals fortpflanzen sollte

Kapitel 43-

Drei für mich, zwei für dich

Das wird ja immer besser. Saß ich bei Kapitel 42 nur eine halbe Stude ideenlos vorm Bildschirm, wurden es diesmal volle zwei Stunden. Keine Ahnung, woher diese kreative Blockade kommt, aber diesmal habe ich überhaupt keinen Plan, wie ich die Einleitung gestalten soll, geschweige denn eine lustige Einleitung. Hoffentlich ist das hier irgendwie lustig genug: Benis.

Jedenfalls wollen wir heute einen Japaner um einen Gefallen bitten. Dazu sollte man wissen, welchen Soziallevel man beim Farmen von XP bereits errungen hat, um das richtige Wort für die Bitte auswählen zu können.

  • Bist du zwischen Level 1 und 20 (Höfliche Bitte), bietet sich 下さい (kudasai) an.

神様、あなたがいるなら、姐さんのパンツを与えてください!
Kami-sama, anata ga iru nara, nee-san no pantsu wo ataete kudasai!
Lieber Gott, wenn es dich gibt, dann gib mir das Höschen meiner Schwester!

  • Zwischen Level 20 und 40 (Freundschaftliche Bitte) ist 頂戴 (choudai) die richtige Wahl.

姐さん、そのパンツを貸して頂戴。
Nee-san, sono pantsu wo kashite choudai.
Schwesterchen, leih mir doch dein Höschen.

  • Auf Level 40 oder höher (Ungeduldige, grobe Bitte) spricht nichts mehr gegen くれ (kure).

パンツ、与えてくれ!
Pantsu, ataete kure!
Gib mir das Höschen!

Während 頂戴 ein Nomen ist, kommt くれ allerdings von くれる und ist 下さい die Befehlsform von 下さる und sind daher als vollwertige Verben anzusehen. 食べてくれた (Du hast für mich gegessen) funktioniert daher genauso wie 飲んで下さらないで (Bitte trink nicht), auch, wenn letzteres ziemlich seltsam klingt, da es andere (*hust* „bessere“) Arten gibt, die aber mit einer Verbendung und nicht mit einem eigenständigen Wort funktionieren. Bei allen drei Varianten ist es aber wichtig, die te-Form des Verbs zu der Bitte zu verwenden.

Es gibt übrigens noch eine Art, jemanden um etwas zu bitten, aber diese funktioniert mit einer Verbendung (~nasai), und die kommt in einem separaten Kapitel. (Die te-Form hab ich ja schon erklärt und ~naide erwähn ich irgendwann so nebenbei mal…)

Und noch etwas: 頂戴 verwendet man zwar bei guten Freunden und der Familie, aber in der Praxis ist es eher ein weibliches Wort. Männer werden tendentiell schiefer angeguckt, wenn sie es benutzen.


Das war’s schon wieder? Nö, damit wäre das Kapitel ja viel zu kurz. Den umgekehrten Fall schauen wir uns auch noch an, also wenn ich nicht um etwas bitte, sondern wenn ich für jemanden etwas tue. Ob man das in der Praxis oft braucht, ist eine Frage des Charakters.

Üblicherweise verwendet man dafür das Wörtchen 上げる (ageru). Schließlich macht es schon einen Unterschied, ob eine wütende Mutter ins Zimmer stürmt und schreit: „宿題をして!“ oder die hübsche Lisa aus der Parallelklasse zu Hause anruft und ins Telefon flüstert: „宿題をしてあ~~~“. Dieses Wort ist ebenfalls ein Verb und kann dabei von 上げない bis 上げさせないで so ziemlich alle möglichen Kombinationen von Verbformen annehmen.

Nun gibt es noch ein zweites Wort derselben Art, das man oft hört. Wir Menschen stellen uns ja gerne mal über alles andere, was auf der Welt so kreucht und fleucht, seien es jetzt Tiere, Pflanzen, Zombies oder irgendwelche Gegenstände. Das spiegelt sich auch in der Sprache wider. Menschen essen, Tiere fressen. Menschen sind schwanger, Tiere sind trächtig. Und schließlich auch: Für Menschen gibt es 上げる, für alles andere やる. Wenn ich zum Beispiel meinem alten Zierkaktus im Hinterhof zur Abwechslung mal wieder etwas Wasser gebe, damit er nicht vollkommen verdorrt, singe ich im Hintergrund leise: „灌水してやる“. Bin ich allerdings ein hundsgemeiner und unhöflicher Kerl, kann ich auch überheblich sein und やる bei Menschen anwenden. Dann stelle ich sie sprachlich auf eine Ebene mit Heuschrecken und Unkraut, also ist das vermutlich keine so gute Idee. Unter guten Freunden kann es natürlich auch zum Spaß mal vorkommen.

Nächstes Mal beim NanaOne-Japanischkurs, Kapitel 44: Ich hab absolut keinen Plan D:

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Gepostet von am 16.12.2012 | 5 Kommentare

 

Japanisch für den allergrößten Volltrottel, der sich niemals fortpflanzen sollte

Kapitel 42-

Mit der de-Partikel

Toll gemacht, Internet, ich danke dir wirklich herzlich. Dank dir sitze ich nun schon seit einer halben Stunde vor dem Bildschirm und versuche, mir irgendetwas Lustiges zum heutigen Thema – der Partikel de – einfallen zu lassen, aber du musst mich ja unbedingt mit Katzenvideos und lustigen Bildern auf meiner Soup (hihi, Schleichwerbung) zubombardieren! Also, beschwert euch beim großen, weiten Internet, dass es heute keine witzige Einleitung von mir gibt!

Okay, sobald wir uns wieder beruhigt haben (Ja, genau, als würde hier irgendjemand den Text lesen, anstatt nur die lustigen Bilder anzuschauen), können wir ja mal die Bedeutungen der Partikel de () näher betrachten.

Número uno: Als Instrumentalispartikel. Nein, damit kann man keine Musik spielen. Instrumentalis ist ein Begriff aus der Linguistik, der etwas beschreibt, womit etwas getan wird. Immer noch nicht verstanden? Hätte mich auch gewundert.

Beispiel:

私はあなたをゴルフクラブで打ちます。
Watashi wa anata wo gorufukurabu de uchimasu.
Ich schlage dich mit einem Golfschläger.

In diesem Satz zeige ich mit de an, dass der Golfschläger das Ding ist, mit dem ich dich schlage. Das funktioniert mit jedem Nomen, ich könnte dich theoretisch auch mit einem Baseballschläger, einer Forelle oder der Immanenzphilosophie hauen, sofern es irgendwie Sinn ergibt. Das Wichtige ist, dass ein de hinten dranhängt.

De funktioniert auch mit Sprachen:

私はあなたの母を日本語で侮辱することができる。
Watashi wa anata no haha wo nihongo de bujoku suru koto ga dekiru.
Ich kann deine Mutter auf Japanisch beleidigen.

Hier ist diesmal die Sprache Japanisch unser „Instrument“, daher steht dahinter das de. Dabei ist es wieder egal, ob die Sprache Japanisch, Aserbaidschanisch oder Piratisch heißt.


Numéro deux: Als Lokalpartikel. Davon kennt das Japanische zwei (die andere ist ni (), aber die kommt zu einem späteren Zeitpunkt, weil ni doof zu erklären ist), aber die beiden Partikel werden jeweils für andere Verben eingesetzt. De verwendet man ausschließlich für Tätigkeitsverben, also Verben, mit denen man eine Tätigkeit ausdrücken will. (Was du nicht sagst!)

スターリンはヒトラーと地獄で卓球をする。
Sutaarin wa hitora to jigoku de takkyuu wo suru.
Stalin spielt mit Hitler in der Hölle Tischtennis.

Hier kann man sehen, dass das de hinter dem Ort steht, an dem etwas passiert bzw. getan wird. Aber Vorsicht, für Verben, die einen Zustand angeben (zum Beispiel: iru + aru (sein), sumu (wohnen, leben), etc.), verwendet man immer ni statt de!


Ganz oft sieht man die Partikel de in Kombination mit mo (). Diese Kombination hat aber sogar noch mehr Bedeutungen als ein einzelnes de, hurra!

Numero tre: Auch, sogar, selbst.

ババリア人でも人間だ。
Babariajin de mo ningen da.
Sogar Bayern sind Menschen.

Szám négy: Oder/Und so (etwas).

なるとでも見ることが好き?
Naruto de mo miru koto ga suki?
Schaust du gerne Nurutu und so was?

Nummer fem: Aber (am Satzanfang!)

でもマルギッタは南アのステップの虫けらを見つけた時に、彼女はもう牛に変形した。
De mo marugitta wa nan’a no suteppu no mushikera wo mitsuketa toki ni, kanojo wa mou ushi ni henkei shita.
Aber als Margitta den südafrikanischen Steppenwurm bemerkte, hatte sie sich bereits in eine Kuh verwandelt.
(Beispielsatz © Gebbi)

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Gepostet von am 09.12.2012 | 9 Kommentare

Okay, ich versuche mich auch mal an einem Review!

Lokalisierung: jap. Namensreihenfolge, jap. Anrede
Versionen:
MKV h264 (10-bit) mit Softsubs (258 MB)
Kapitel:
Prolog, Opening, Hauptteil, Ending, Vorschau
Website:
http://nanaone.net/

Fansubportal-Profil: http://fansubdb.net/gruppe/2/no
Encodingdetails: http://paste.kde.org/621050/
Gruppen-Reputation vor dem Review: -16/5

Ooedo Rocket #03 (Projektseite)
SD (576p): Torrent | DDL | XDCC #959

Okay, schauen wir uns mal die Encodequalitä-

Fazit:

Endnote: 22
Gruppen-Reputation nach dem Review: -19/5

Gut gemacht, NanaOne, ihr habt es echt geschafft, noch tiefer zu sinken als die Titanic an­no da­zumal. Vielleicht solltet ihr euch mal überlegen, euren Hauptschulabschluss nachzuholen oder mal gaaaaanz scharf darüber nachdenken, was die liebe Mami mit „Du bist was ganz Besonderes“ meinen könnte. Ihr seid der Krebs aller deutschen Fansubs und gehört auch so behandelt: Mit Laz0rs! Pew, pew, pew!

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Gepostet von am 06.12.2012 | 20 Kommentare

 

Japanisch für den allergrößten Volltrottel, der sich niemals fortpflanzen sollte

Kapitel 41-

Und, und, und…

Mit „und“ kann man in der deutschen Sprache Dinge aufzählen. Das japanische Äquivalent dazu ist die Partikel to (と), die genau eines bedeutet: „Und“.
… Ja, schön wär’s. To hat nämlich gleich drei Bedeutungen, die allesamt wichtig sind.

Zum einen kann man damit Sachen aufzählen.

Ich mag Kekse to Kuchen.
Wie man sieht, kann man to bei Aufzählungen wirklich 1:1 mit dem deutschen „und“ ersetzen. Leider hat es natürlich, wie im Japanischen üblich, eine etwas andere Bedeutung als im Deutschen…

Mit to meint man nämlich eine abgeschlossene Aufzählung, also eine bereits vollständige Liste von Dingen. Anders gesagt müsste der Satz eigentlich „Ich mag Kekse und Kuchen und sonst nichts anderes“ heißen. Aber was ist, wenn ich neben Keksen und Kuchen auch noch Rostbraten mag?

Dafür existiert die kleine Partikel ya. („Ich mag Kekse ya Kuchen.“) Das verwende ich, wenn die genannte Liste nur eine Teilmenge des Ganzen sein soll, also: „Ich mag Kekse und Kuchen und so weiter“ oder „Unter anderem mag ich Kekse und Kuchen“. Das klingt möglicherweise ungewöhnlich in der deutschen Sprache, weil wir solche Dinge bereits implizieren, aber in der japanischen ist der Unterschied wichtig!

Beschränken wir uns aber auf to, weil’s da viel mehr zu erzählen gibt und damit außerdem solche Monstersätze gebildet werden können:

Im Wasser schwamm eine Ente to ein Fisch to ein Schwan to ein Krokodil to ein Breitkopf-Querzahnmolch to…
Dabei darf man das to nie weglassen. Man kann in der deutschen Sprache zwar bei den ersten paar Aufzählungspunkten auf das „und“ verzichten und stattdessen ein Komma einsetzen, aber ein Japaner kann verdammt wütend werden und dich aus dem Fenster werfen, wenn er merkt, dass du deutsche Grammatik benutzt und das to weglässt. Ich spreche aus Erfahrung!

To darf man auch wirklich nur bei Aufzählungen von Gegenständen verwenden. Sätze kann man damit nicht verbinden! „Ich gehe über die Straße to danach treffe ich Franz.“ ist grammatikalisch falsch. Wenn man Sätze auf Japanisch verbinden will, sollte man die Te-Form von Verben oder irgendwelche Konjunktionen (zB sorekara) verwenden.

Außerdem kann to mit“ bedeuten. Allerdings im Sinne von „mit jemandem“, und nicht „mit einem Gegenstand etwas tun“, denn das geht mit der Partikel de, zu der bestimmt auch irgendwann mal ein Kapitel kommt. Irgendwann.

Ich gehe meine Freundin to auf mein Zimmer.
„Ich gehe mit meiner Freundin auf mein Zimmer.“ auf gut Deutsch. Sollte klar sein.


 

Okay, zweite Bedeutung von to: „Wenn“ bzw „Sobald“.

Ich töte dich to, meine Rache ist vollendet.
„Wenn ich dich töte, dann ist meine Rache vollendet.“ Das to bezieht sich auf den kompletten Teilsatz davor, und nicht nur auf ein einzelnes Nomen wie vorhin bei den Aufzählungen.

Man kann auch den to-Teilsatz einfach nach vorne schmeißen. Sätze wie:
Ich esse Pizza wie ein armer Student, ich komme nach Hause to.
sind erlaubt. „Ich esse Pizza wie ein armer Student, sobald ich nach Hause komme.“ funktioniert auch auf Deutsch gut.

In chinesischen Zeichentrickpornos hört man auch manchmal Personen am Ende eines Satzes ein to sagen. Beispiel:
Susi schafft es nicht rechtzeitig zum Bus to

„Wenn Susi es nicht rechtzeitig zum Bus schafft…“ dann passiert vermutlich irgendwas Schlechtes. Dann muss sie wahrscheinlich den Zug nehmen, wo der doofe Nick drinsitzt.

To ersetzt aber nicht das „echte“ schließende Anführungszeichen, sondern wird zusätzlich da eingesetzt, wo wir im Deutschen so ein Zeichen setzen würden. Das heißt nicht, dass es im Japanischen keine Anführungszeichen gibt, die sehen nämlich so aus: 「ベニス」

Es gibt ziemlich viele Worte für „Wenn“ und „Sobald“ im Japanischen, aber die anderen kommen… irgendwann mal.


Die dritte Bedeutung von to ist das Anführungszeichen oben ( “ ). (Hihi, ein Dango)
Kein Scherz, to fungiert auch als sogenannte Zitatpartikel. Sobald man ein Zitat (oder eine gewisse Phrase oder einen Eigennamen) beendet hat, sagt man to, und fährt danach mit dem Satz fort.

Deine Mutter ist fett to, hat er behauptet!
Wenn man sich am Anfang die Anführungsstriche denkt und das to nochmal mit Anführungsstrichen ersetzt (also „’Deine Mutter ist fett‘, hat er behauptet!“) dann erkennt man ziemlich schnell, was gemeint ist.

Super-Wayne to werde ich genannt.
Hier wird ein Eigenname „zitiert“. Alles, das man normalerweise unter Anführungszeichen setzt, beendet man im Japanischen mit to. Das sieht vielleicht ungewöhnlich aus, ist aber eigentlich nicht schwer.

 

Langsam aber sicher gehen mir die vorgefertigten Kapitel aus. Eigentlich hab ich nur mehr ein einziges übrig… Vielleicht pausiere ich den Kurs demnächst ja mal ’ne Weile. :3

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Gepostet von am 02.12.2012 | 16 Kommentare

Okay, ich will hier mal zwei Dinge klarstellen.

Ich kann verstehen, dass sich die meisten pubertären männlichen Pickelmonster (aka Bernds) nicht darüber im Klaren sind, ob das liebe andere Geschlecht im gleichen Alter ihren Hahn begehrt. Streitet es nicht ab, ihr habt alle mal im Internet danach gesucht, ob euer Bäumelchen einen gewissen Durchschnittsgrad besitzt, um sich nicht vor der festgeketteten Liebe seines Lebens im Bett blamieren zu müssen.

Außerdem kann ich noch nachvollziehen, dass das erstaunliche Suchmaschinchen Google unsere Seite „nanaone.net“ auflistet, wenn nach… nun, gewissen obszönen Begriffen gesucht wird. Schließlich sind hier die meisten Mitglieder derbst bekloppt und schmeißen ihrer Leserschaft maschinenpistolenartig Begriffe wie „Behaarter Penis“ und „Seehund-Hentai“ an den Kopf, die aufgrund mangelnder geistiger Maturität auch noch Spaß daran finden und begeistert mitmachen.

Alles kein Problem.

Was mir nun allerdings nicht ganz in den Kopf will, ist die Tatsache, dass es anscheinend tatsächlich Lebewesen auf dieser Erde gibt, die nach obszönen, teils sehr privaten Fragen googeln, unsere Seite entdecken und schließlich auch noch auf die Idee kommen, wir (eine Fansubgruppe!) würden diesen Leuten diese Frage sogar beantworten.

Darum frage ich dich, werter Google-Nutzer vom 28. November 2012, 16:06:51:

WIESO?!

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Gepostet von am 28.11.2012 | 25 Kommentare


Viel Spaß beim Hauen.

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Gepostet von am 25.11.2012 | 18 Kommentare

 

Japanisch für den allergrößten Volltrottel, der sich niemals fortpflanzen sollte

Kapitel 40-

Papa Bär, Mama Bär…

Die Verwandtschaft von eigenen oder fremden Familien hat im Japanischen jeweils eine eigene Bezeichnung! Genau wie im Deutschen…

Eigene oder fremde Eltern heißen auf Japanisch haha/kaa (, Mutter) und chichi/too (, Vater). Jetzt achten Japaner natürlich wieder pingelig auf ihre Höflichkeitsregeln, also kommt nach der jeweiligen Anrede eines der Anredesuffixe (zB -san, -chan oder -sama). Als wäre das nicht genug, kann man die Höflichkeitsstufe noch einen Grad höhergesetzen, also man greift sich ein Höflichkeits-o und wirft es vor die gesamte Anrede. Es kommt also wieder bloß darauf an, wie gut man sich mit den Eltern versteht bzw. wie viel Respekt man gegenüber dem Elternteil hat. Während kaa-chan oder o-kaa-chan Vertrautheit ausdrücken, ist o-too-sama sehr förmlich und gilt heute als veraltet.
Die Möglichkeiten wären also (von persönlich bis höflich):

  • kaa-chan / too-chan
  • o-kaa-chan / o-too-chan
  • kaa-san / too-san
  • o-kaa-san / o-too-san
  • o-kaa-sama / o-too-sama

(Ein kaa-sama bzw ein too-sama ohne Höflichkeitsvorsilbe ist zwar möglich, aber sehr ungebräuchlich.)

Jep, das waren alle Möglichkeiten, wie man die Eltern ansprechen kann.

Langsam zieht dieser Running-Gag nicht mehr, denn mittlerweile ist es fast logisch, dass uns die japanische Sprache nicht so schnell davonkommen lässt. Man kann die Mutter nämlich mit noch zwei Arten bzw. den Vater mit noch drei Arten ansprechen.

Da wäre zum einen das multilinguale mama (ママ) und papa (パパ). Höflichkeitstechnisch liegen die Wörtchen zirka bei kaa-san / too-san, also wird dafür schon eine gewisse Vertrautheit vorausgesetzt. Allerdings ist diese Vertrautheit in modernen Familien ohnehin Standard, ist diese Anredeform nicht unüblich. Das Höflichkeitspräfix und Anredesuffixe werden hier aber nicht benötigt.


„Hiermit übergebe ich an Euch, meinen Sohn, die Verantwortung, diese Familie erfolgreich weiterzuführen.“
„Nein, chichi-ue-sama, NEEEEIIIINNN!!!!!“
„Lass es, liebster Sohn, es ist zu spät.“
„Aber haha-ue-sama, er stirbt doch gar nicht, er hat bloß schrecklichen Durchfall und hat’s nicht mehr rechtzeitig auf die Toilette geschafft.“

Diese dramatische Geschichte (;__;) gibt preis, wie man die Eltern im feudalen Japan angesprochen hat, nämlich mit chichi-ue-sama (父上様) und haha-ue-sama (母上様). Das ue spricht man dabei schon fast wie „we“ aus. Würde man so was heute verwenden, ist man entweder gerade besonders lustig drauf, Zeitreisender oder mit dem Intellenzquotienten einer Kartoffel gesegnet. Das -sama ist aber kein Pflicht, es gibt das Wort nur zum verstärken der bereits verstärkten Höflichkeit. (WTF, Japan?!) Wenn man nicht genau einschätzen kann, ob der Gesprächspartner eher höflich oder neutral angesprochen werden soll, durfte man auch chichi-oya (父親) oder haha-oya (母親) benutzen.

Aber etwas Höflicheres als haha-ue-sama und chichi-ue-sama existiert nicht mal im Japanischen.

Ach, wieder reingefallen. Go-bodou-sama (御母堂様) für die Mutter und go-sonpu-sama (御尊父様) für den Vater sind tatsächlich noch höflicher. Allerdings sollte man aufpassen, diese Bezeichnungen nicht im Alltag zu benutzen, denn sie sind hauptsächlich auf Beerdigungen zu hören. (Aber nur für fremde Eltern, niemals für die eigenen!)

Für den Vater gibt es noch eine Sonderbezeichnung, nämlich oyaji (親父). Das ist relativ unhöflich und entspricht in etwa dem Deutschen „Alter (Herr)“. Will man abfällig über Männer im mittleren Alter reden, kann man es auch auf andere Personen anwenden.


 

 

Die Großeltern haben dasselbe System wie die Eltern. Großmutter heißt baa (), Großvater jii (). Um die Vertrautheit zum Ausdruck zu bringen, kann man das mit -san, -chan oder -sama ergänzen und schlimmstenfalls ein o davorsetzen.
Bei den Großeltern gibt es hier aber nicht nur für den Opa ein Wort, um über ihn zu lästern, sondern auch für das werte Großmütterchen. Jiji/Jijii () heißt in etwa „alter Knacker“ und baba/babaa () „alte Oma“.

Als Deutschmuttersprachler kann man in Japan gerade von solchen Anreden ziemlich verwirrt werden. Bei uns ist es ja eher unanständig, ältere Leute mit Oma oder Opa anzureden, aber in Japan ist das völlig normal. Will man mit einer alten Dame höflich sprechen, darf man sie mit o-baa-sama ansprechen, will man einer freundlichen Oma über die Straße helfen, kann man auch „Brauchst du Hilfe, liebe baa-chan?“ sagen.


Ältere Geschwister bekommen natürlich auch eine Anrede. Der große Bruder heißt nii (), die große Schwester nee (). Nee, ne?
Genau wie bei den Eltern und den Großeltern gilt hier wieder: Zum Verstärken darf man es mit einem Anredesuffix ergänzen oder ein Höflichkeitspräfix davorschreiben. Ebenso wie die Großeltern kann man nii und nee auch bei fremden Leuten verwenden, allerdings diesmal bei jungen Menschen und nicht bei alten.
Übrigens kann man als Hanswurst hübsche junge Frauen mit (o-)nee-chan anbaggern. Ob das gut ankommt, ist eine andere Frage.

Außerdem gibt es noch für harte Jungs und starke Mädels die Anreden aniki (兄貴) und aneki (姉貴). Die älteren Geschwister mit nee-chan und nii-chan anzusprechen ist unter Gangmitgliedern doch voll peinlich, also benutzt man für sie lieber aniki (großer Bruder) oder aneki (große Schwester). Mafiosi und Yakuza-Mitglieder reden sich auch untereinander so an, da spielt Blutsverwandtschaft oder Alter gar keine Rolle.

Jüngere Geschwister sind, wie im wirklichen Leben, wieder einmal im Vorteil. Für sie gibt es keine besondere Anrede, sie werden einfach beim Namen genannt. Nein, otouto und imouto sind keine Anreden.

Okay, wir können jetzt fremde junge und fremde ältere Personen ansprechen und außerdem fremde Männer im mittleren Alter beleidigen. Wir brauchen wohl noch die Möglichkeit, Personen im mittleren Alter neutral anzusprechen, und das macht man mit den Worten für Onkel und Tante.
Onkel (oji, おじ) und Tante (oba, おば) klingen von der Aussprache her sehr stark nach den Anreden der Großeltern, also sollte man aufpassen, das liebe Tantchen nicht in eine alte Oma mutieren zu lassen. Das o steht diesmal allerdings nicht für das Höflichkeitspräfix, das sitzt schon fest im Wort drinnen. Und weil o-oji-san irgendwie blöd klingt, verzichtet man hier auf das Höflichkeitspräfix und erlaubt nur die üblichen drei Anredesuffixe.

Für die lieben kleinen japanischen Mädchen gibt es auch noch jou (). Wenn sie noch zu klein sind, um als „junger Mensch“ zu gelten, um mit nee angesprochen zu werden, kann man sie je nach Einkommen der Eltern und Niedlichkeitsfaktor mit (o-)jou-chan, (o-)jou-san oder o-jou-sama anreden. Das ist kein Scherz, reiche, verzogene Mädchen bekommen den ganzen Tag aus allen Ecken und Enden ihr o-jou-sama zu hören. Capitalism, ho! Ebenso wie bei (o-)nee-chan beginnen verzweifelte Anmachsprüche von fremden Draufgängern oft mit (o-)jou-chan. Das ist dämlich, aber beschert uns in Anime manchmal lustige Situationen. Manchmal.

Kleine Lauser werden bocchan (坊ちゃん), bouzu (坊主) oder – jetzt kommt’s – boku () genannt. Ja, die Japaner können für „Du“ und für Ichdas gleiche Wort verwenden. Der Grund dafür lautet: Leberkäse.

 

Das waren nun alle Verwandschaftsbeziehungen mit Anrede. Und weil jetzt alle so traurig sind, dass das Kapitel schon wieder vorbei ist, gibt’s… nächste Woche wieder ein Kapitel. :V

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Gepostet von am 25.11.2012 | 14 Kommentare