Japanisch für den allergrößten Volltrottel, der sich niemals fortpflanzen sollte

Kapitel 8 –

Wie Klein-naich Japanisch gelernt hat

 

Na gut, da hast du dein Kapitel.

 

Es war einmal, in einem gar nicht allzu fernen Land, vor gar nicht allzu lange Zeit, ein kleiner naich. Der kleine naich war ein großer Fan eines gewissen nach dem Schall benannten Maskottchen einer Videospielfirma, welches sogar einige eigene Serien spendiert bekam, die der kleine naich natürlich regelmäßig im Fernsehen mit deutscher Synchronisation ansah. Eines Tages jedoch – oh Schreck! – wurde die Serie abgesetzt, und der kleine naich wurde ganz traurig, bis er vor Verzweiflung im weltweiten Computernetzwerk die Möglichkeit fand, sich weitere Folgen der Serie im Originalton digital anzusehen, was ihn aber etwas stutzig machte. Originalton? Mit Untertitel? Sprechen die vom industriereichsten Inselstaat der Welt nicht irgendeine komische fernöstliche Sprache, die ganz kompliziert ist? Zögernd machte er sich an die erste Folge ran, war aber sofort begeistert, wie toll das funktionierte. Er wusste zwar nicht, was die da eigentlich sagen, aber er vertraute einfach auf die Untertitel und alles war paletti.

Schließlich war die Serie auch irgendwann einmal zu Ende, und obwohl der kleine naich immer noch ein großer Fan war, so war er doch recht zufrieden mit dem Ausgang der Serie. Etwas ließ ihn jedoch nicht los: Was zum Teufel haben die ganzen Charaktere da eigentlich gesagt? Er musste es wissen und ließ sich nicht davon abhalten, es herauszufinden – allerdings war er leider nur auf das weltweite Computernetzwerk beschränkt. Online-Enzyklopedien, Hilfsseiten und spezielle Foren waren zwar eine nette Sache, aber er musste aus der Masse von Informationen einen richtigen Start finden. Schließlich entschied er sich für ein lustiges Buch von einem deutschsprachigen Gelehrten, der ihn für die nächsten paar Wochen unterhalten sollte.

 

Einige Wochen später hatte der kleine naich die Grundregeln intus. Er konnte schon einfache Sätze bilden und konnte ein paar Zeichen erkennen, die er im weltweiten Computernetzwerk zufällig aufgeschnappt hatte. Außerdem fing er an, sich langsam für fernöstliche Animationskunst zu interessieren und hatte daher genug Gelegenheit, sein Wissen bei untertitelten Intro-Musikstücken zu trainieren. Irgendwann traf er aber auf Intros, die keine für ihn lesbare Umschrift hatten; er wollte aber trotzdem wissen, was sie bedeuteten! Es blieb ihm wohl nichts anderes übrig, als Silbenschrift Nummer 1 und Silbenschrift Nummer 2 auswendig zu lernen und schreiben zu können. Das dauerte aufgrund seiner Faulheit etwas länger als geplant, aber schließlich konnte er sogar schon zwei sehr wichtige Schriften erkennen.

 

Der kleine naich war jetzt an einem Punkt angelangt, an dem er sich nicht mehr selbst weiterhelfen konnte. Er brauchte neue Unterlagen, aus denen er lernen konnte, und schließlich fand er in den Weiten des weltweiten Computernetzwerkes frei verfügbare Dokumente von Gelehrten aus einem fernen Land, mit denen er viel weiter kam, als es durch reines Suchen im Computernetzwerk möglich wäre. Gleichzeitig übte er dieses Wissen wieder mit fernöstlichen Animationen, was auch sehr gut funktionierte.

Unglücklicherweise waren einige Regeln dieser Dokumente bereits veraltet, was vieles, was in den Dokumenten als „Ausnahmeregel“ gekennzeichnet war, ungültig machte. Der kleine naich wurde stutzig – wie sollte er diese Sprache jemals verstehen, wenn es keine vollständigen, aktuellen und übersichtlichen Schriften und Texte darüber gab? Eine Stimme wurde in ihm laut: Er brauchte Hilfe zu individuellen Fragen, und zwar bei echten Gelerten und beim fernöstlichen Volk. Das funktionierte im weltweiten Computernetzwerk natürlich ausgezeichnet, denn über digitale Sofortnachrichtentechnik konnten ihm diese Gelehrten und Einwohner des fernen Ostens seine speziellen Fragen sehr genau beantworten. Zum Abschluss seiner Reise, die zum Ziel hatte, Unterlagen zu finden, stieß der kleine naich noch auf eine tolle Kartensammlung, um schließlich auch den Rest der Sprache abzudecken.

 

Was geschah danach? Nun, später sollte der kleine naich einer großartigen Untertitelungs-Genossenschaft beitreten, die ihm vieles von seinem Wissen abverlangten, weil er anscheinend der einzige war, den die Sprache interessierte.

 

Fazit: Man kann Japanisch durch reines Animeschauen nicht lernen, aber üben. Ein paar Links zum Lernen gab’s oben schon, hier kommt der Rest:

Wikipedia-Kategorie: Japanische Sprache (englische Variante) Wie jeder Artikel auf Wikipedia sind auch diese nicht immer 100%ig akkurat, reichen aber für grundsätzliche Infos völlig aus.

 

sci.lang.japan FAQ (englisch)

Japanisch-FAQ einer alten Usenet-Newsgroup; Kaum Basiswissen, dafür viele Antworten zu Detailfragen

 

Denshi Jisho

Riesiges Kanji-Lexikon mit Strichreihenfolgen und Auflistung der Radikale zum jeweiligen Kanji

 

Yuki no Monogatari (englisch)

Kleines modernes japanisches Märchen für Japanisch-Lernende; Hat auch Videos und eine einfache englische Übersetzung dabei.
Kitsunekko Große Sammlung von japanischen CCs (Closed Captions, also Untertitel für Hörgeschädigte) für Animeserien im japanischen Fernsehen. Tolle Möglichkeit, um Japanisch mit seiner Lieblingsserie zu lernen 😉

 

Das Wiener Japanologie-Forum

Zwar wird wahrscheinlich keiner von euch Deutschen in Wien studieren wollen, aber die Community ist toll und bei Fragen immer hilfsbereit 🙂

Tabibito

Blog von einem deutschen Kerl, der in Japan eine Familie gegründet hat. Nicht immer relevant für Sprach-Fokussierte, aber für kurioses Japanischwissen immer wieder nett.
Wadoku Natürlich fehlt in dieser Liste noch ein riesiges Japanisch-Deutsch- / Deutsch-Japanisch-Wörterbuch.
Dareka Oshiete English (englisch) Toter Blog eines Japaners, der Englisch lernen wollte. Die Archive kann man immer noch durchstöbern und in lateinischer Umschrift sein Japanisch üben.
Japanese Stories (englisch) Japanische Volksmärchen und Kindergeschichten in Kana und sehr, sehr einfachen Kanji und mit leichter englischer Übersetzung

 

Nächstes Mal geht’s wieder „normal“ weiter.

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Gepostet von am 26.02.2012 | 11 Kommentare

Und somit wird auch hier auf NanaOne unsere beliebte Blogserie „Trinken mit Genuss“ gestartet. Heute schauen wir uns eine Variante des schwarzen Felsschießer-Kaffees an. Sie wird umgangssprachlich auch „Folge 1“ genannt, ist aber besonders durch die Kreation „OVA“ bekannt geworden. Folge 1 ist als Prototyp der späteren Folgen reich an milchigem Moe und süßen Mödchen und sollte daher mit Bedacht getrunken werden, da andere Kreationen der Kaffee-Serie als besonders bitter gelten und nicht für alle anspruchsvollen Genießer geeignet sind.
Nichtsdestotrotz ist diese Sorte ein netter Einstieg in diese Kaffeereihe und ist außerdem achverdammtnochmalhieristblackrockshooterfolge1vielspaß

Black Rock Shooter #01  (Projektseite)
HD (720p):  Torrent  |  DDL  |  XDCC #826

Nachtrag von Gebbi, um Rumgeheule in den Kommentaren vorzubeugen: Ja, die Datei ist über 600 MB groß und das trotz Hi10P, handelt mit S. Der Animu braucht so viel Bitrate, denn im Gegensatz zu allen anderen Gruppen haben wir uns mal wieder dazu entschieden, den Grain als künstlerisches Stilmittel beizubehalten und nicht plattzufiltern, um Bitrate zu sparen (Resultat wäre nämlich ein ekelhaft matschiges Bild gewesen, wovon ihr euch gerne bei allen anderen Gruppen, die diesen Anime subben, ob Deutsch oder Englisch, überzeugen könnt). Hinzu kommen detaillierte CGI-Szenen, die ohnehin viel Bitrate fressen.

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Gepostet von am 23.02.2012 | 26 Kommentare

 

Japanisch für den allergrößten Volltrottel, der sich niemals fortpflanzen sollte

Kapitel 7 –

Oh no!

 

Weil der doofe Gebbi sich weigert, heute noch die Videos zu enkodieren, die ich für dieses Kapitel brauche, gibt’s heute leider wieder eins ohne Videos. Und jetzt schnappt euch einen Stein und werft ihn auf Gebbi.

 

Nichtsdestotrotz schauen wir uns heute quasi etwas Praxis an. Es geht heute um

 

 

Dieses hübsche, kleine Hiragana mit der Bezeichnung „NO“ ist meistens das erste, das sich die Animefans merken. Es ist kurz, einfach und kommt in hunderttausenden Animetiteln vor. Irgendwann muss man einfach mal darauf stoßen.

Alle, die Englisch, Spanisch, Italienisch oder Klingonisch beherrschen und NO immer mit einer Verneinung assoziieren, dürfen jetzt traurig den Kopf hängen lassen, denn das japanische NO ist etwas viel Schlimmeres als das – es ist eine Partikel, die den Genitiv (zweiter Fall) eines Nomens anzeigt.

Der Genitiv hat im Deutschen immer irgendwie ein „des“ oder ein „der“ vorne dranhängen. Des Todes, der Berge, des Hauses, der Tiere… und wundersamerweise auch „des Sebastian(s)“, denn diese „des/der“-Konstrukte lassen sich auch mit Namen bilden. Hauen wir jetzt noch ein anderes Nomen davor („Taschentuch des Sebastian“), merken wir plötzlich, dass unser Sebastian etwas besitzt, nämlich ein Taschentuch. Und so kann man wunderschön im Japanischen einen Besitz anzeigen, denn das NO übernimmt die Rolle von „des/der. „Taschentuch NO Sebastian“, super einfach.

Nein… nein, stop… STOP! Hört auf mit euren Luftsprüngen. Japanisch wäre ja nicht Japanisch, würde es nicht unsere deutsche Sprache in einen Mixer schmeißen, nach drei Minuten Durchwirbeln sein NO hinzugeben und dann einen Grammatikkuchen daraus backen. NO ist nämlich so lustig und vertauscht die Reihenfolge des Besitzes!
Im Deutschen würden wir sagen: „Death Note des Light.“
Aber im Japanischen muss es heißen „Light no Death Note“! Das würde dann also unser nettes „Besitz DES Besitzers“ in ein „Besitzer NO Besitz“ umwandeln.

Tja… Glücklicherweise geht das System schnell in Fleisch und Blut über –  – wenn man den Trick benutzt, statt des eben gelernten „des/der“ einfach ein „s“ dranzuhängen („Lights Death Note“, „Suzumiya Haruhis Melancholie“, „Bernds Jungfräulichkeit“, etc.). Mit einem „von“ oder „vom“ lässt es sich natürlich auch schön übersetzen. „Fensterbrett vom Nordfenster“, „My Little Pony-Actionfigur von Gebbi“, „Trauben-Nuss-Schokolade von Milka“, etc. (Achtung, da haben wir natürlich wieder die umgekehrte Reihenfolge!)

Personalpronomina (Ich, Du, Er/Sie/Es, Wir, Ihr, Sie, Banane) werden natürlich umgewandelt. „Ichs Haus“ ist grammatikalischer Blödsinn und „Haus des Ich“ schreiben nur Philosophen. Steinscheißer Karl schreibt lieber „Mein Haus“, „Dein Schuh“ oder „Haus von mir„, „Schuh von dir„, etc. Auch das Wörtchen „Wer“ verwandelt sich in Verbindung mit NO in ein „Wessen“, vorausgesetzt, man möchte wirklich wortwörtlich übersetzen. Immerhin kennen wir ja den berühmten Spruch, was dem Genitiv sein Tod ist. (Im Deutschen, wohlgemerkt! Im Japanischen ist der Genitiv weiterhin unglaublich wichtig!)

Wie bei allen Partikeln ist es auch bei NO immer Pflicht, es direkt hinter ein Wort (in diesem Fall ein Nomen) zu setzen; bei NO ist das natürlich immer der Besitzer. Einen Besitz hinten dranzuhängen ist schön, aber nicht zwingend. Auf „Wer NO Münze ist das?“ könnte ich nun brav und langweilig „Das ist Misaka NO Münze“ antworten, oder aber im Coolen-Kidz-Style „Misaka NO!!!“ sagen, weil ja aus dem Kontext heraus ersichtlich ist, dass es um eine von Misakas berüchtigten Münzen geht.
Durch meine freie Übersetzung ist es vielleicht nicht sofort ersichtlich, aber diese Methode ist keineswegs unhöflich.

Man kann auch längere Verknüpfungen mit NO bilden. „Haruko no Bassgitarre no Saite ist gerissen“ wäre mit der bisherigen Methode „Harukos Bassgitarres Saite ist gerissen“, aber das klingt seltsam und ist wahrscheinlich auch falsch. Wenn wir nun logisch auftrennen, welcher Besitzer welchen Besitz hat (Saite von der Bassgitarre, Bassgitarre von Haruko) wird klar, dass es in schönem Deutsch „Die Saite von Harukos Bassgitarre ist gerissen“ heißt. Die beste Strategie ist dabei, von links nach rechts zu gehen, alle Besitze langsam ihren Besitzern zuzuordnen und dann den Satz von rechts nach links auf Deutsch mit „vom/von“ oder „s“ aufschreibt, bis man irgendwann genug Sprachgefühl entwickelt hat, um die Zuordnungen auf einen Blick zu erkennen. Ja, das geht.

 

Das Wichtigste an diesem ganzen NO-Unsinn ist aber, dass man es niemals wörtlich übersetzen sollte. Man muss die Bedeutung kennen (Besitzer und Besitz), um einen japanischen Satz mit NO ins Deutsche übertragen zu können. Vielleicht ist das gerade bei dieser Partikel noch nicht immer ersichtlich, aber das sei mal allgemein gesagt, weil ich nicht weiß, wo ich es sonst hinschreiben könnte, es aber dennoch unglaublich wichtig ist: Japanisch ist keine europäische Sprache und sollte niemals wörtlich in eine andere Sprache übersetzt werden, und umgekehrt. (Es sei denn natürlich, es passt zufällig). Was könnte zum Beispiel bei NO passieren? Wenn man sich bloß merkt, dass NO einfach „von“ oder „vom“ heißt, könnte man schnell verwirrt werden, wenn man den Satz „Ich habe das Geschenk von Peter erhalten“ übersetzen will, weil wir hier zwar ein „von“ drinstehen haben, es aber keinen Besitz anzeigt, sondern eher ein Art Anzeige, woher ich etwas habe. „Geschenk NO Peter“ ist daher völliger Unsinn.

Ich kann eigentlich gar nicht oft genug betonen, wie wichtig freie Übersetzungen im Japanischen sind und wie falsch ein ganzer Satz plötzlich werden kann, wenn man ihn wortwörtlich übertragen möchte, aber damit belasse ich’s hier. Das Thema kommt sowieso wieder in den nächsten 9001 Grammatik-Kapiteln.

 

Ach ja, es gibt noch zwei weitere Bedeutungen von NO, aber die sind eher unwichtig. NO kann man auch als Fragepartikel am Satzende oder als generelle Satzabschlusspartikel verwenden – aber dazu komm ich ohnehin noch beim Kapitel über Fragesätze und Satzabschlusspartikel. 😛

 

Du no Schweiz NO Berg NO Haus NO zweiter Stock NO Hausmädchen NO Schlüpfer ist weiß!
Wer den Satz verstanden hat, hat NO verstanden.

 

 

¡ssıǝʍ ʇsı ɹıp uoʌ zıǝʍɥɔs ɹǝp uoʌ ƃɹǝq ɯoʌ snɐɥ ɯoʌ sʞɔoʇs uǝʇıǝʍz sǝp uǝɥɔpäɯsnɐɥ ɯoʌ ɹǝɟdülɥɔs ɹǝp
oder schöner:
¡ssıǝʍ ʇsı zıǝʍɥɔs ɹǝp uı ƃɹǝq ɯǝp ɟnɐ sǝsnɐɥ sǝuıǝp ʞɔoʇs uǝʇıǝʍz ɯoʌ suǝɥɔpäɯsnɐɥ sǝp ɹǝɟdülɥɔs ɹǝp

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Gepostet von am 19.02.2012 | 18 Kommentare

 

Japanisch für den allergrößten Volltrottel, der sich niemals fortpflanzen sollte

Kapitel 6 –

Noch mehr Kana-Unsinn zum Auswendiglernen, um die Leser noch mehr zu vergraulen

 

Das ist nun ehrlich das letzte Kapitel, in dem es um Schriftzeichen geht, versprochen! Aber ohne ein bisschen mehr Hintergrundwissen kann man nicht selbstständig weiterlernen, also passt auf.

Seit Kapitel 1 wissen wir, wie man Wörter wie Neko oder Baka in der richtigen Schrift schreibt bzw. was z.B. わたし in lateinischer Schrift bedeutet. Eines Tages gewinnt aber plötzlich unser innerer Weeaboo-Schweinehund die Überhand und wir fangen an, unsere kleine Schwester Klothilde plötzlich „Klo-chan“ zu nennen. Weil wir auch schon so klug sind und uns alle Schriftzeichen aus Kapitel 1 gemerkt haben, versuchen wir, dieses „chan“ mal in Hiragana zu schreiben – aber wir scheitern schon am ersten Zeichen. Wir finden zwar ein „chi„-Zeichen, aber wo zur Hölle versteckt sich das „cha„?

Vor dem selben Problem standen auch die Japaner, als sie die Silbenschrift erfunden haben. Sie hatten bereits 47 Zeichen für jede Silbenschrift hingekritzelt, mussten sie für solche besonderen Laute wirklich noch mehr Zeichen erfinden? „Nein“, sagte Faulbert Faul aus der Faulstraße 12, „wir kombinieren einfach zwei Zeichen und schreiben das zweite Zeichen klein“. Und so wurden die kleinen Kana geboren.

Grundsätzlich nimmt man sich wirklich bloß ein großes Kana und kombiniert es mit einem kleinen Kana, das man hinten dranschreibt. Mögliche Kombinationen sind:

ki + ya –> kya  ( き + ゃ –> きゃ )
ki + yu –> kyu ( き + ゅ –> きゅ )
ki + yo –> kyo ( き + ょ –> きょ )
shi + ya –> sha ( し + ゃ –> しゃ )
shi + yu –> shu  (し + ゅ –> しゅ )
shi + yo –> sho ( し + ょ –> しょ )
chi + ya –> cha ( ち + ゃ –> ちゃ )

Ach, ich hab keine Lust mehr. Hier die Kurzfassung: Man nimmt sich ein KI, SHI, CHI, NI, HI, MI oder ein RI und kombiniert dieses Zeichen mit YA, YU oder YO, um zum Beispiel ein KYA, SHO (nicht „SHYO“!), CHU (nicht „CHYU“!), NYA, HYO, MYU oder ein RYA zu erhalten. Wie würde man dann also „chan“ schreiben?

Richtig: CHI – kleines YA – N (ちゃん).

Ist ja praktisch, so ne Kombinationsmöglichkeit. Hm, was heißt eigentlich „praktisch“ auf Japanisch? „Benri, sagt mein kleines Wörterbuch, das blöderweise keine Kana-Schreibung nebenbei stehen hat, also muss ich’s mir wohl selbst aufschreiben. Uuuuuuuuuuuund wieder tappen wir gleich am Anfang auf eine Falle. Wo ist dieses verdammte „BE„?

Machen wir wieder eine Zeitreise zurück zu den Wurzeln der japanischen Silbenschriften. Die Japaner sitzen gemütlich beim Lagerfeuer und sind kurz davor, ein neues Zeichen für „BE“ zu erfinden, als aus heiterem Himmel Faulberts Schwester Faulina aufspringt und ruft: „Setzen wir über alle H-Zeichen in der Kana-Tabelle einfach zwei kleine Striche ( sog. „dakuten“) und nennen sie dann B-Zeichen!“

 

 

 

 

 

Tjo, und das haben die Japaner dann nicht nur mit H gemacht, sondern auch mit K, S und T.

KA, KI, KU, KE, KO ( か き く け こ ) GA, GI, GU, GE, GO ( が ぎ ぐ げ ご )
SA, SHI, SU, SE, SO ( さ し す せ そ ) ZA, JI, ZU, ZE, ZO ( ざ じ ず ぜ ぞ )
TA, CHI, TSU, TE, TO ( た ち つ て と ) DA, JI, ZU, DE, DO ( だ ぢ づ で ど )
HA, HI, FU, HE, HO ( は ひ ふ へ ほ ) BA, BI, BU, BE, BO ( ば び ぶ べ ぼ )

 

(Jep, die Umschriften, die doppelt vorkommen (JI und ZU) werden gleich ausgesprochen, aber für unterschiedliche Wörter verwendet, also Vorsicht!)

Das alles funktioniert natürlich auch wieder mit Kombinationen. Aus GI und einem kleinen YA wird GYA, aus JI und einem kleinen YO wird JO und aus BI und einem kleinen YU wird BYU. Mit diesen Kombinationen mache ich keine Liste oder Tabelle, weil ihr  hier mitdenken sollt. Aus JI und YU wird zum Beispiel nicht JYU, sondern JU!


Frage: Haaalt stopp, da fehlt doch noch was! Wie schreibt man zum Beispiel das PA wie in „pan“ (Brot)?

Antwort: Wieder mit den H-Zeichen.

Frage: Aber sind die H-Zeichen nicht schon für die B-Zeichen zuständig?

Antwort: Nicht, wenn man statt den zwei Strichen einen Kreis hinkritzelt. ( sog. „handakuten“)

So wird aus HA, HI, FU, HE und HO ( は ひ ふ へ ほ )
ein PA, PI, PU, PE und PO ( ぱ ぴ ぷ ぺ ぽ ). So einfach ist das! Jetzt können wir endlich alles in Kana schreiben, was wir wollen!

Nicht.

Uns fehlt noch das sogenannte Sokuon. Das ist ein klein geschriebenes TSU ( っ ), das dazu benutzt wird, um eine Art kurze Sprechpause zu bilden und in der Umschrift einen Doppelkonsonanten bildet. Wollen wir also das Wort „kappa“ (dieses grüne, gurkenfressende Viech aus der japanischen Mythologie) schreiben, brauchen wir so ein kleines TSU, um aus dem einzelnen P ein doppeltes P zu machen. かぱ wäre bloß ein langweiliges „Kapa„, aber wenn wir ein Sokuon dazwischenquetschen –    かっぱ    – wird daraus ein hübsches „Kappa„. Das funktioniert mit Kana aus den Spalten K, S und T.

Man merkt wohl, dass ich keine Lust mehr aufs Schreiben habe, oder? Das liegt daran, dass ich das Thema schon drölftausend Male erklärt hab und mir die Lust darauf vergangen ist – deswegen schauen wir uns jetzt zum Schluss noch schnell an, welche Ausnahmefälle es gibt, die normalerweise nicht in einem 0815-Kurs stehen.

Zum einen haben wir in unseren üblichen Transkriptionen manchmal einen kleinen Strich ( ‚ ) stehen. Das zeigt an, dass es in der Kana-Schreibung keine Kombination gibt, obwohl theoretisch eine gebildet werden könnte. Verwirrt? Gut, ein Beispiel:

kin’youbi“ (Freitag), wie könnte man das schreiben? Machen wir es silbenweise:

  • Zuerst ein KI (  き )
  • Dann eine Kombination mittels NI und einem kleinen YO, sodass wir ein NYO erhalten ( きにょ )
  • Nun nur noch ein U und ein BI, und fertig ist die Sache. ( きにょうび )

Tja, ihr dürft euch jetzt alle getrollt fühlen, denn durch den kleinen Strich in der lateinischen Umschreibung gilt diese Reihenfolge der Schreibung gar nicht. N‘ zeigt an, dass das N alleine stehen muss und es keine Kombination an der Stelle gibt. Machen wir’s diesmal richtig:

  • Erst wieder das KI (  き )
  • Jetzt müssen wir wegen des Strichs ein einzelnes N schreiben ( きん )
  • Der Rest ist eh idiotensicher. YO-U-BI ( きんようび )

     

Okay, das war Punkt 1. Punkt 2 ist um einiges größer, weil zwar für Katakana dieselben Regeln gelten wie für Hiragana (also eigentlich das gesamte bisherige Kapitel), aber Katakana haben wegen ihres Zwanges, ganze fremde Sprachen irgendwie in das japanische Silbensystem zu zwängen, einige zusätzliche Kombinationsmöglichkeiten. Und weil ich keine Lust mehr hab, die irgendwie in Prosatext zu erklären, gibt’s wieder ’ne Liste, hurra!

TE + kleines I ( テ + ィ ) TI ( ティ )
DE + kleines I ( デ + ィ ) DI ( ディ )
TO + kleines U ( ト + ゥ ) TU ( トゥ )
DO + kleines U ( ド + ゥ ) DU ( ドゥ )
SE + kleines I ( セ + ィ ) SI ( セィ )
ZE + kleines I ( ゼ + ィ ) ZI ( ゼィ )
CHI + kleines E ( チ + ェ ) CHE ( チェ )
SHI + kleines E ( シ + ェ ) SHE ( シェ )
JI + kleines E ( ヂ/ジ + ェ ) JE ( ヂェ / ジェ )
U + kleines I ( ウ + ィ ) WI( ウィ )
U + kleines E ( ウ + ェ ) WE ( ウェ )

 

Das sind allerdings keine standardisierten Kombinationsmöglichkeiten, also Angaben ohne Gewehr oder sonstige Schusswaffen.

Noch was zum Schluss: In Katakana werden Vokale üblicherweise nicht mit der zweiten Schreibung des jeweiligen Vokals verdoppelt (also OO schreibt man nicht オオ), sondern mit dem sogenannten „chouon ( ー ). Dobermann wird also nicht etwa ドオベルマン geschrieben,
sondern ドーベルマン. (Aber es wird trotzdem als „dooberuman“ oder „dōberuman“ umschrieben. Transkriptionen, u so silly.)

Gibt’s nach diesem anstrengenden Kapitel noch irgendwas zur japanischen Schrift und zu Transkriptionen zu sagen? Ja, jede Menge sogar, aber mein Versprechen ganz oben im Text breche ich lieber viiieeeel später, wenn es alle vergessen haben 😀

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Gepostet von am 12.02.2012 | 11 Kommentare

Weil es schon 23:00 Uhr ist (Anm. der Red.: als dieser Artikel geschrieben wurde), ich morgen in die Schule muss und keine Lust auf irgendwelches News-Blabla habe, gibt’s diesmal einen Screenshot aus irgendeiner zufällig herausgeklickten Szene in HanaIro 18 und diesen doofen Text. Ich hab übrigens selber keine Ahnung, was das darstellen soll. Vermutlich irgendeine Stirn von einem der drölftausend generischen Charaktere, von denen die Serie eh schon genug hat. Gebbi sollte in Zukunft wohl lernen, wie man Videos richtig enkodiert, dann sieht das Bild wenigstens nicht so hässlich aus. Bild

Edit by Gebbi: Deine Mutter sieht hässlich aus! Nimm halt keinen Screenshot aus ’ner Bewegung, bei der die MPEG-2-Kompression vom Transportstream versagt hat, weil ich zu faul war, die Scripts auf die Blu-rays anzupassen! :<

Edit by naich: erfolgreichertrollisterfolgreich.jpg

Hana-Saku Iroha 16-18 (Projektseite)
HD (720p): Torrent | DDL | XDCC #815-817
SD (396p): Torrent | DDL | XDCC #818-820

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Gepostet von am 10.02.2012 | 7 Kommentare

Morgens, halb 10, im SHAFT-Hauptquartier:

Shinbou: Wir brauchen unbedingt wieder eine neue Mangaadaption von diesem Zetsubou Sensei-Autor. Unsere bescheuerten Fans stehen einfach auf sein Zeug!
Random Shaft-Mitarbeiter:
Aber Großmeister Shinbou, wir haben noch unseren Zettel mit schmutzigen Schenkelklopfern, die wir uns bei der letzten Saufparty aufgeschrieben haben und den wir irgendwie loswerden müssen!
Shinbou:
Da kommt mir eine Idee…

Tjo, und daraus ist wohl die Shaft-Adaption zu Katte ni Kaizou entstanden. Nein, ich übertreibe nicht, der Anime ist wirklich voll niveauloser Peniswitze, die höchstens einem vorpubertierenden Rotzbengel ein Kichern und rote Farbe im Gesicht entlocken können.

GNIHIHI ICH HAB PENIS GESCHRIEBEN!!! ヽ( ゚ヮ・)ノ

Katte ni Kaizou 01 (Projektseite)
HD (720p): Torrent | DDL | XDCC #812

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Gepostet von am 05.02.2012 | 33 Kommentare

 

Japanisch für den allergrößten Volltrottel, der sich niemals fortpflanzen sollte

Kapitel 5 –

Tims großes Abenteuer

 
Aufgrund von extremem Zeitmangel (diesmal wirklich) kann ich heute nur ein relativ langweiliges Standard-Kapitel in Copypasta-Manier anbieten. Vielleicht liest’s sich ja trotzdem der eine oder andere durch. 🙂
 
Wie kann man sich in der japanischen Sprache selbst anreden? Fangen wir doch mit der unkonventionellsten Methode an.

 

Wem Anreden schnurzegal sind und sowieso zu blöd ist, sich diese ganzen komischen Persohnalbronommina zu merken, der darf sein Sprachniveau in die Steinzeit zurückversetzen und sich selbst einfach in der dritten Person anreden. Wenn Tim Furznase eines Tages vom Himmel herab auf die Erde stürzt, keine Ahnung von gar nichts hat und plötzlich ein bärtiger, alter, halbnackter Mann mit Schwimmreifen um die Hüfte, einer Kalaschnikow in der linken Hand und einem Stück Kastenbrot in der rechten Hand auftaucht und Tim (verständlicherweise) kein Stück versteht, was zum Teufel hier gerade abläuft, und er auch nicht weiß, ob dieser Mann gesellschaftlich über oder unter ihm steht, dann sagt er vermutlich: „Entschuldigen Sie, dürfte Tim fragen, was hier los ist?“

 

Er nennt einfach seinen eigenen Namen (ohne Anrede, das wäre unhöflich), anstatt irgendein Wort für „Ich“ einzusetzen. Diese Methode benutzt man nicht nur, wenn man den gesellschaftlichen Stand des Gegenüber nicht kennt, sondern auch, um eine gewisse Niedlichkeit und Naivität auszudrücken. Ergo: Japanische Schulmädchen dürfen diese Methode benutzen, alle anderen würden damit in der Gesellschaft eher Unsicherheit zeigen.

Tim Furznase war früher ein ganz normaler Angestellter in einer kleinen japanischen Firma. Gegenüber all seinen Arbeitskollegen, mit denen er nicht befreundet war, hat er stets das geschlechtsneutrale, höfliche watashi verwendet. Watashi ist allgemein sehr neutral. Jeder, für den keine eindeutigen Alternativen existieren (z.B. für Kinder), kann es immer und überall verwenden, ohne dabei schief angeguckt zu werden oder zu höflich/unhöflich zu klingen. So steht es zwar in gefühlten 130% aller Lehrbücher, aber in der Praxis verwenden Frauen watashi öfter als Männer, weil es für Männer genug Alternativen gibt.

Als kleiner Junge hat sich Tim überall und bei jedem mit boku angesprochen. Boku wird aber auch allgemein bei Männern im Familien- und Freundeskreis verwendet, bis sich die langweilige Bubi-Brigade dazu entschlossen hat, boku in jedem Alter und Umfeld zu benutzen. Manchmal hört man auch kleine Mädchen boku sagen, aber das kann entweder heißen, dass es sich „männlich“ fühlt, naiv und kindlich wirken will oder schlicht und einfach noch zu jung ist, um den Unterschied zu verstehen.

Tja, da Tim ebenfalls zur langweiligen Bubi-Brigade zählte und die fiese Männer-Gang eines Tages bemerkte, dass man Tim mit seinem Nachnamen doch furchtbar gut ärgern konnte, musste sich Tim in seiner Jugend gegen die fiese Männer-Gang durchsetzen, indem er statt boku nun überall ore sagte. Ore ist die ruppige Version von boku. Verwendet wird es von Männern, die ein gewisses Maß an Selbstvertrauen und Rauheit demonstrieren wollen. Frauliche Frauen verwenden es gar nicht.

Ein großer Tag für Tim – er wird endlich befördert! Bei seiner Feier kommen viele seiner Arbeitskollegen, unter anderem auch sein Boss, und bei dem verwendet er natürlich das besonders höfliche watakushi. Es ist ein sehr bescheidenes Wort und wird immer dann verwendet, wenn man höflicher und unterwürfiger klingen will, als es watashi erlaubt. Watakushi ist perfekt auf solche formellen Anlässe zugeschnitten.

Tims Frau Timotea hat nicht so viel Auswahl wie ihr Lebenspartner bei diesen Personalpronomina in der ersten Person Singular, aber sie darf dafür überall und in allen Lebenslagen atashi sagen. Äh, ja. Das war auch schon wieder alles, was es zu diesem Wort zu sagen gibt. Frauen verwenden es immer, männliche Männer nie, Punkt.

Weil mir kein vernünftiges Beispiel zur letzten Anrede einfällt, setze ich einfach das erste Beispiel mit dem alten Mann fort. Das war ja immerhin das vernünftigste Beispiel bis jetzt!
Nachdem Tim den Mann gefragt hat, was um alles in der Welt überhaupt passiert ist, bewegt dieser unendlich langsam sein faltiges Gesicht, öffnet seinen Mund, holt tief Luft und spricht mit tiefer und lauter Stimme:

 

Washi bin dein Opa.

 

Washi ist die veraltete Form von watashi. Außer weißhaarigen Greisen und hochbetagten Omas verwendet es heute niemand mehr, aber wenn man jemanden washi sagen hört, weiß man zumindest, dass diese Person richtig alt ist.

Hm? Was „o-mae“ bedeutet? Das erfahrt ihr alle in der Fortsetzung von „Tims großes Abenteuer!“ Freut euch, das Kapitel kommt sicher schon „bald“ *hust*.

So, die restlichen Anredeformen für „Ich“ hört man nicht mehr so häufig und sind auch nicht so spannend wie die obigen, aber ich zähl mal trotzdem die auf, die mir gerade einfallen.

  • Uchi

Das Wort ist eigentlich nicht besonders höflich, aber im Kansai-Dialekt hat uchi watashi schon fast ersetzt und besitzt dort auch dieselben Eigenschaften. Man kann es schon im standardjapanischen Tokyo-Dialekt auch verwenden, aber dann meint man meistens nicht nur sich selbst, sondern die ganze eigene Familie.

  • Jibun

Jibun bedeutet so was wie „das eigene Selbst“ und wird fast nur in der Militärsprache als Anrede für sich selbst verwendet. Das heißt nicht, dass jibun nicht in der Alltagssprache benutzt wird, aber in einem anderen Kontext und selten als reine „Ich“-Anrede.

  • Atakushi

Das soll die weibliche Version von watakushi sein, es hat sich jedoch nicht übermäßig durchgesetzt und kaum eine Frau verwendet den Begriff, nicht mal auf gehobenen Festen.

  • Kochira

Kochira bedeutet wörtlich übersetzt „Hier, bei mir“ und besitzt in etwa dieselben Eigenschaften wie das normale watashi – nur, dass es höflicher ist und man es viel seltener verwendet.

  • Wagahai

Dieses Wort ist für die wichtigsten Wichtigtuer und für die metallischsten Metaller. Es ist für die japanischen Hardrocker und Metaller mindestens genauso wichtig wie das Headbangen. Man kann es aber auch verwenden, wenn man mit Freunden rumalbern will. Gegenüber dem Firmenchef sollte man es halt möglichst vermeiden.

  • Wai, watai

So wie watashi, nur Osaka-Dialekt. Langweilige Erklärung ist langweilig.

 

Gut, das müssten wohl die Wichtigsten gewesen sein. Schreibt einen Kommentar, wenn euch noch welche einfallen! 😀

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Gepostet von am 05.02.2012 | 11 Kommentare