Dieser Sub wurde mir neulich via IRC-Query verlinkt. Es hat eine ganze Weile gedauert, bis ich überhaupt erst mal den Ursprung des Subs gefunden habe. Letztendlich habe ich rausgefunden, dass man die BtotheO-Subs zu Amagami SS Plus ausschließlich als Premium-Nutzer eines Kinder-Piraten-Warez-Boards bekommt, bei dem Rips und Fansubs mit extremer Zeitverzögerung bei Filehostern hochgeladen werden (was auch immer das bei Fansubs für einen Sinn haben soll, aber versteh noch mal einer diese Vollpfosten). Das Ganze ist also ein höchst exklusiver Sub, den vermutlich der Großteil von euch niemals zu Gesicht bekommen wird. Ich teste ihn trotzdem, weil ich sehen möchte, welch exquisite Qualität den Piratenkiddies da geboten wird.
Lokalisierung: jap. Namensreihenfolge, jap. Anrede
Versionen: MKV h264 (8-bit) mit Softsubs (257 MB)
Kapitel: vorhanden
Encode:
Schon mal vorweg: Bei diesem Sub wurde so gut wie alles von der engl. Gruppe UTW 1:1 übernommen. Außer der Encode. Der war bei UTW nämlich schon ziemlich perfekt – und perfekte Encodes gehen in der deutschen Szene natürlich gar nicht an, besonders nicht bei so exklusiven Releases wie diesem hier. Entsprechend wurde das Ganze noch mal in 8-bit mit extrem niedrigen Einstellungen reenkodiert und tolle Bildartefakte wie Banding, zerfickte Konturen und Matsch bei Bewegungen hinzugefügt.
Bewertung: mangelhaft
Timing:
Ich vermute mal, dass auch das Timing einfach von UTW übernommen wurde, allerdings haben sich beim Reenkodieren wohl ein paar Keyframes verschoben (oder es wurde eine andere Raw verwendet), wodurch die Scenetimings fast durchgängig um einen Frame verschoben sind. Der Rest vom Timing ist gut.
Bewertung: ausreichend
Typeset/Styling:
UTW hat bei den Types eine solide Arbeit abgeliefert, der Type in Bild #2 sieht nur so beschissen aus, weil BtotheO ihn unbedingt ein wenig verhunzen musste. Nicht ganz so schön ist die Tatsache, dass auf Bild #5 der letzte Punkt durch den Untertitel verdeckt wird (ist auch beim UTW-Sub so). Der Mainfont wurde ebenfalls von UTW übernommen und ist recht ansehnlich und angenehm zu lesen. Das Logo passt zum Original und wurde beim UTW-Sub auch passend animiert, BtotheO hat das Logo zwar übernommen, allerdings die hübsche Animation entfernt.
Bewertung für UTW: gut
Karaoke:
Die Karas sind simple Softsub-Karas, allerdings habe ich da bei UTW schon mal Besseres gesehen. Lesen lässt sich alles ganz gut, aber besonders beim ED fand ich diesen doch ziemlich technischen Font recht unpassend. Alles in allem eine zweckmäßige Karaoke. Änderungen hat BtotheO keine vorgenommen (abgesehen von der Übersetzung).
Bewertung für UTW: befriedigend
Qualität der Untertitel:
Die Qualität des Sprachstils schwankt hier ziemlich stark und lässt keine Parallelen zum Original-Sprachstil der Figuren erkennen. Eine Figur, die gerade noch lockere Jugendsprache spricht (was durchaus passend bei diesem Anime ist), driftet plötzlich grundlos in „sehr feines“ Deutsch ab, bei dem sich nicht selten merkwürdige Satzkonstruktionen bilden. Außerdem strotzt der Sub nur so vor kleinen und großen Fehlern:
Unschöner Stil: Hatten wir ja schon oft durchgekaut, irgendwann wird es sicher jeder mal intus haben. Wenn Namen einzeln ausgesprochen werden, sollte man drei Punkte oder ein Ausrufezeichen (je nach Art des Ausrufs) einsetzen.
In solchen Fällen setzt man kein Apostroph, weil das „e“ bei „beeile“ schlichtweg optional ist und das Auslassen keiner Kennzeichnung bedarf.
Dudenartikel dazu: http://www.duden.de/rechtschreibregeln/apostroph
Das zieht sich so übrigens durch den gesamten Sub.
Das Komma hinter „dich“ kann auch weg.
Die erste Gruppe (?) im Review, bei der ich einen Dreizeiler entdeckt habe. Nein, eigentlich sind es unglaublich viele Dreizeiler (insgesamt vier Stück oder so).
Und mal wieder so eine Gruppe (?), bei der man der Meinung ist, bei Karaoke bräuchte man keine Satzzeichen. Verlinkt mir mal bitte den entsprechenden Dudenartikel in den Kommentaren, ich find ihn grad auf Anhieb nicht.
zum Rasen (Substantivierung)
Hui, Déjà-vu…
„prüfungsrelevant“ ist ein Adjektiv…
Ich merke zwar Folgefehler in der Regel nicht mit an, aber hier ist das Apostroph einfach besonders bekloppt gesetzt, daher wollte ich euch dieses „Schmankerl“ nicht vorenthalten.
Der Klassiker unter den Anfängerfehlern. Das Verb heißt „leidtun“, daher schreibt man das „leid“ in dem Falle klein.
Was ist denn das für eine bekloppte Formulierung? So redet doch keiner im Deutschen.
„Wenn man euch beobachtet hat, sah es durchaus so aus, als würde alles gut laufen.“
Kein Satz » drei Punkte am Ende.
genauso
(Und wieder ein Dreizeiler…)
Unschöner Stil: Hmmmmm? Wirklich? Mehr „m“s gingen nicht?
I don’t even…
„Aber das sollte man schon mit beachten.“
Nein, denn ihr wart als Kinder nicht beim Vermessungsamt. Allerdings habt ihr euch „gemessen“.
Oh nein, wieder so eine Gruppe (?), die englische Lautmalerei nicht lokalisiert…
Kein Satz » drei Punkte am Ende.
Der nächste Dreizeiler…
Das Komma hinter „verglichen“ ist überflüssig und störend.
Ääääh…
Unschöner Stil: Korrekte Anführungszeichen verwenden: „ “
(Immer wenn ich das schreibe, muss ich neuerdings an einen wütenden Lightmaker denken :3)
Komma nach „Miya-chan“
Am Satzanfang schreibt man das erste Wort groß: „Alles außer…“
etwas Leckeres (Substantivierung)
Und wieder englische Lautmalerei…
Eine abgekürzte Präposition („für das“ in dem Fall) kennzeichnet man nicht mit einem Apostroph (siehe dazu den oben verlinkten Duden-Artikel) » „fürs“.
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Komma nach „werde“
Unschöner Stil: Die empfohlene Schreibweise des Duden lautet „noch mal“ (von „noch einmal“).
so etwas Kindisches (Substantivierung)
Wie oft denn noch? Eine „Naja“ ist eine afrikanische Schlangenart. Das, was hier gemeint ist, schreibt sich: „Na ja“.
etwas Unanständiges (Substantivierung)
Komma nach „es“, dafür das überflüssige Komma nach „will“ weg.
|
Komma nach „bringt“ (eingeschobener Nebensatz).
Endnote: 4 (meh)
Liebe Warezkiddies: Ich würd mich an eurer Stelle beschweren! Da ladet ihr monatelang Fansubs von den DDLs irgendwelcher Subgruppen runter und bei ul.to wieder hoch, um endlich euren langersehnten Premiumzugang zu bekommen, und dann wird euch so was hier als Exklusivinhalt vorgesetzt! So geht’s nicht! Setzt euch zur wehr! Macht lustige DDoS-Attacken auf das Board oder so!
Wobei… Eigentlich habt ihr ja auch nichts Besseres verdient.
Meine Empfehlung: Bleibt weiterhin beim Sub von OtakuKingdom~
Gepostet von Gebbi am 16.02.2012 | 39 Kommentare
Hurra, ein weiterer Kurzanime (sechs Minuten pro Episode) \o/
(Na gut, die sechs Minuten fühlten sich wie 30 Minuten an, weil der Anime so grottenschlecht ist.)
Lokalisierung: jap. Anrede, jap. Namensreihenfolge
Versionen: MKV h264 (10-bit) mit Softsubs (111 MB)
Kapitel: nicht vorhanden
Encode:
Der Encode wurde von der englischen Gruppe CMS übernommen, daher erfolgt keine Bewertung.
Banding tritt keins auf, aber die Konturen sind zum Teil ziemlich unsauber, was aber auch daran liegt, dass hier eine Websource verwendet wurde.
Bewertung: –
Timing:
Die Zeilen blenden in der Regel 2-3 Frames zu spät ein, wodurch kein wirklicher Lesefluss zustandekommt. Hinzu kommt, dass oftmals nicht gelinkt wurde und es auch Aussetzer beim Scenetiming gab.
Bewertung: mangelhaft
Typeset/Styling:
Die Types sind hübsch und passen eigentlich überall sehr gut – allerdings wurden auch die 1:1 von CMS übernommen (Memo an mich: In Zukunft immer mal nachprüfen, ob die Types geklaut wurden). Zudem hat Taberu vergessen, den Mainfont reinzumuxen, wodurch alle diejenigen, die ihn nicht besitzen, mit hässlichen Arial-Subs „beglückt“ werden.
Bewertung: –
Karaoke:
Im OP hat man sich noch die „Mühe“ gemacht, den Font auszuwechseln, beim ED wurde das Styling vom Engsub wieder vollständig übernommen…
Bewertung: –
Qualität der Untertitel:
Bei dem Anime ist zwar nicht mehr viel zu retten, aber man hätte ihn noch halbwegs erträglich gestalten können, wenn man den Sprachstil an die unterschiedlichen Charaktere angepasst hätte. Hat man aber nicht. Die Übersetzung wirkte ziemlich uninspiriert und machte nicht wirklich Spaß. Hinzu kamen haufenweise Fehler, die bei sechs Minuten echt nicht hätten sein müssen:
zu viel
Äh, ja… Nein…
„So wird’s vielleicht gehen.“
Das zweite Komma ist überflüssig.
Unschöner Stil: Korrekte Anführungszeichen verwenden: „ “
Da zuvor der Begriff „Höschen“ verwendet wurde, wäre hier „Dieses hier.“ korrekt. Das zieht sich so übrigens durch die gesamte Folge.
Ist eigentlich eine Aussage, daher wäre hier ein Punkt zu setzen.
Unschöner Stil: Komma nach „versuchen“
Komma nach „glaube“
Warum steht da ein Komma? Sie führt den Satz nicht zu Ende, danach kommt nichts mehr. Also warum zum Fick steht da ein Komma?!
Konnte sich hier einer nicht zwischen Einzahl und Mehrzahl entscheiden? Da es sich nur um ein Höschen handelt, müsste hier „dieses große Höschen“ stehen.
Unschöner Stil: Sätze lassen sich im Deutschen schwer bei Konsonanten abbrechen, daher sollte man den „Abbruchstrich“ nach einem Vokal setzen.
Ja ne is klar.
„… aber es ist ganz schön mutig von ihnen, nichts zu tragen!“
Das zweite Komma gehört da nicht hin.
ans Äußerste (Substantivierung)
Edit: Oh, und natürlich „Das tägliche Leben“. Danke an Dragon für den Hinweis.
Endnote: 5- (mangelhaft)
Selbes Spiel wie bei Lonesome: 14 Fehler bei sechs Minuten sind ein schlechter Scherz. Da sich hier nicht mal die Mühe gemacht wurde, eigene Types und Karas zu erstellen (ganz zu schweigen vom Encode), und das Timing völlig daneben ist, kann man diesen Sub eigentlich nur als „schnell hingerotzt“ bezeichnen, und dafür gibt’s hier auch die entsprechende Note.
Gepostet von Gebbi am 13.02.2012 | 42 Kommentare
Plan für die kommenden Reviews: Poyopoyo » Gokujo. » Amagami SS Plus » Papa no fucking long title » mal schauen…
Diese Gruppe hat übrigens einen netten Artikel darüber verfasst, warum diese Reviews hier scheiße sind: http://lonesome-subs.net/uber-fs-s/
Wenn ich Zeit und Lust habe, werde ich auf die Kritikpunkte evtl. noch mal in einem separaten Artikel eingehen, hier ins Review gehört so was allerdings nicht (letztendlich ist es auch wieder das gleiche ignorante Gefasel, das man hier auch zuhauf in den Kommentaren findet, nur etwas intelligenter verpackt). Ich möchte an dieser Stelle nur noch mal darauf hinweisen, dass die im Artikel geäußerte Vermutung, wir würden Partnergruppen bevorzugt behandeln (im Sinne von besser bewerten), Blödsinn ist, denn die Bewertungsmaßstäbe sind für alle Gruppen gleich. Da ich die Kritikpunkte völlig transparent veröffentliche, hat auch jeder die Möglichkeit, die Bewertungen anhand der Releases zu überprüfen.
Anyway, auf zum Review~
Lokalisierung: jap. Anrede, jap. Namensreihenfolge
Versionen: MKV h264 (8-bit) mit Softsubs (31 MB)
Kapitel: vorhanden
Encode:
Der Transportstream wurde hier wohl offensichtlich nicht korrekt IVTCt, denn in jedem einzelnen Frame mit Bewegung tritt nerviges Ghosting auf (siehe Bild). Protipp: Die Framerate auf 23,976 fps setzen reicht nicht aus, nach dem Deinterlacen muss auch ordentlich dezimiert werden. Wie auch unschwer auf dem Bild zu erkennen ist, wurde sehr unsauber gecroppt, wodurch links, rechts und unten hässliche, schwarz-graue Ränder auftreten.
Bewertung: ungenügend
Timing:
Die Zeilen blenden für meinen Geschmack ab und an einen winzigen Tick zu spät ein (was aber letztendlich nicht wirklich der Rede wert ist), gelinkt wurde aber ordentlich und Scenetimes sind theoretisch auch vorhanden. Nur theoretisch, denn aufgrund des verkackten IVTCs war es hier gar nicht möglich, auf Keyframes zu timen.
Bewertung: gut
Typeset/Styling:
Die Types gefallen mir ziemlich gut, allerdings ist es für europäische Zuschauer nicht gerade förderlich, wenn man Text von oben nach unten schreibt, so was lässt sich nämlich echt beschissen lesen. Der Mainfont ist verspielt, was prima zum Anime passt, und lässt sich auch ganz gut lesen.
Bewertung: gut
Karaoke:
08/15-Karaoke, die meiner Meinung nach etwas zu viel Platz in Anspruch nimmt und entsprechend zu viel vom Bild verdeckt. Kleinere Schrift hätte da schon Wunder gewirkt. Der Font bei der Übersetzung ist schrecklich und lässt sich durch die durchgängige Kleinschreibung und die extrem gedrängten Buchstaben (sowohl horizontal als auch vertikal) absolut schlecht lesen.
Bewertung: ausreichend
Qualität der Untertitel:
Wie kann man es eigentlich schaffen, bei einem Drei-Minuten-Anime mehr als einen Fehler in den Sub einzubauen?
Das Komma gehört da nicht hin.
Sakuramachi-Straße
Sie (Höflichkeitsanrede wird großgeschrieben)
aus Farmern…
Punkt fucking where?!
Hat das überhaupt jemand QCt?
Und auch das Komma gehört da nicht hin.
Endnote: 5 (mangelhaft)
Im Ernst: Wie kann man es bei einem Drei-Minuten-Anime schaffen, das Script derart zu verhunzen?! Der Ausdruck ist ja okay, aber die Fehler sind allesamt so was von offensichtlich, dass ich für die Schlamperei einfach keine bessere Note vergeben kann.
Ich wüsste nicht, warum es einen Grund geben sollte, diese Gruppe YKS vorzuziehen, denn sie ist langsamer und liefert deutlich schlechtere Qualität ab. Meine Empfehlung bleibt daher bei YKS (drinvor: NUR WEIL SIE EURE PARTNERGRUPPE SIND! GEBBI IST KÄUFLICH!!!11).
Gepostet von Gebbi am 13.02.2012 | 39 Kommentare
Japanisch für den allergrößten Volltrottel, der sich niemals fortpflanzen sollte
Kapitel 6 –
Noch mehr Kana-Unsinn zum Auswendiglernen, um die Leser noch mehr zu vergraulen
Das ist nun ehrlich das letzte Kapitel, in dem es um Schriftzeichen geht, versprochen! Aber ohne ein bisschen mehr Hintergrundwissen kann man nicht selbstständig weiterlernen, also passt auf.
Seit Kapitel 1 wissen wir, wie man Wörter wie Neko oder Baka in der richtigen Schrift schreibt bzw. was z.B. わたし in lateinischer Schrift bedeutet. Eines Tages gewinnt aber plötzlich unser innerer Weeaboo-Schweinehund die Überhand und wir fangen an, unsere kleine Schwester Klothilde plötzlich „Klo-chan“ zu nennen. Weil wir auch schon so klug sind und uns alle Schriftzeichen aus Kapitel 1 gemerkt haben, versuchen wir, dieses „chan“ mal in Hiragana zu schreiben – aber wir scheitern schon am ersten Zeichen. Wir finden zwar ein „chi„-Zeichen, aber wo zur Hölle versteckt sich das „cha„?
Vor dem selben Problem standen auch die Japaner, als sie die Silbenschrift erfunden haben. Sie hatten bereits 47 Zeichen für jede Silbenschrift hingekritzelt, mussten sie für solche besonderen Laute wirklich noch mehr Zeichen erfinden? „Nein“, sagte Faulbert Faul aus der Faulstraße 12, „wir kombinieren einfach zwei Zeichen und schreiben das zweite Zeichen klein“. Und so wurden die kleinen Kana geboren.
Grundsätzlich nimmt man sich wirklich bloß ein großes Kana und kombiniert es mit einem kleinen Kana, das man hinten dranschreibt. Mögliche Kombinationen sind:
ki + ya –> kya ( き + ゃ –> きゃ )
ki + yu –> kyu ( き + ゅ –> きゅ )
ki + yo –> kyo ( き + ょ –> きょ )
shi + ya –> sha ( し + ゃ –> しゃ )
shi + yu –> shu (し + ゅ –> しゅ )
shi + yo –> sho ( し + ょ –> しょ )
chi + ya –> cha ( ち + ゃ –> ちゃ )
…
Ach, ich hab keine Lust mehr. Hier die Kurzfassung: Man nimmt sich ein KI, SHI, CHI, NI, HI, MI oder ein RI und kombiniert dieses Zeichen mit YA, YU oder YO, um zum Beispiel ein KYA, SHO (nicht „SHYO“!), CHU (nicht „CHYU“!), NYA, HYO, MYU oder ein RYA zu erhalten. Wie würde man dann also „chan“ schreiben?
Richtig: CHI – kleines YA – N (ちゃん).
Ist ja praktisch, so ne Kombinationsmöglichkeit. Hm, was heißt eigentlich „praktisch“ auf Japanisch? „Benri„, sagt mein kleines Wörterbuch, das blöderweise keine Kana-Schreibung nebenbei stehen hat, also muss ich’s mir wohl selbst aufschreiben. Uuuuuuuuuuuund wieder tappen wir gleich am Anfang auf eine Falle. Wo ist dieses verdammte „BE„?
Machen wir wieder eine Zeitreise zurück zu den Wurzeln der japanischen Silbenschriften. Die Japaner sitzen gemütlich beim Lagerfeuer und sind kurz davor, ein neues Zeichen für „BE“ zu erfinden, als aus heiterem Himmel Faulberts Schwester Faulina aufspringt und ruft: „Setzen wir über alle H-Zeichen in der Kana-Tabelle einfach zwei kleine Striche ( ゛ sog. „dakuten“) und nennen sie dann B-Zeichen!“
Tjo, und das haben die Japaner dann nicht nur mit H gemacht, sondern auch mit K, S und T.
KA, KI, KU, KE, KO ( か き く け こ ) | GA, GI, GU, GE, GO ( が ぎ ぐ げ ご ) |
SA, SHI, SU, SE, SO ( さ し す せ そ ) | ZA, JI, ZU, ZE, ZO ( ざ じ ず ぜ ぞ ) |
TA, CHI, TSU, TE, TO ( た ち つ て と ) | DA, JI, ZU, DE, DO ( だ ぢ づ で ど ) |
HA, HI, FU, HE, HO ( は ひ ふ へ ほ ) | BA, BI, BU, BE, BO ( ば び ぶ べ ぼ ) |
(Jep, die Umschriften, die doppelt vorkommen (JI und ZU) werden gleich ausgesprochen, aber für unterschiedliche Wörter verwendet, also Vorsicht!)
Das alles funktioniert natürlich auch wieder mit Kombinationen. Aus GI und einem kleinen YA wird GYA, aus JI und einem kleinen YO wird JO und aus BI und einem kleinen YU wird BYU. Mit diesen Kombinationen mache ich keine Liste oder Tabelle, weil ihr hier mitdenken sollt. Aus JI und YU wird zum Beispiel nicht JYU, sondern JU!
Frage: Haaalt stopp, da fehlt doch noch was! Wie schreibt man zum Beispiel das PA wie in „pan“ (Brot)?
Antwort: Wieder mit den H-Zeichen.
Frage: Aber sind die H-Zeichen nicht schon für die B-Zeichen zuständig?
Antwort: Nicht, wenn man statt den zwei Strichen einen Kreis hinkritzelt. ( ゜sog. „handakuten“)
So wird aus HA, HI, FU, HE und HO ( は ひ ふ へ ほ )
ein PA, PI, PU, PE und PO ( ぱ ぴ ぷ ぺ ぽ ). So einfach ist das! Jetzt können wir endlich alles in Kana schreiben, was wir wollen!
…
Nicht.
Uns fehlt noch das sogenannte Sokuon. Das ist ein klein geschriebenes TSU ( っ ), das dazu benutzt wird, um eine Art kurze Sprechpause zu bilden und in der Umschrift einen Doppelkonsonanten bildet. Wollen wir also das Wort „kappa“ (dieses grüne, gurkenfressende Viech aus der japanischen Mythologie) schreiben, brauchen wir so ein kleines TSU, um aus dem einzelnen P ein doppeltes P zu machen. かぱ wäre bloß ein langweiliges „Kapa„, aber wenn wir ein Sokuon dazwischenquetschen – かっぱ – wird daraus ein hübsches „Kappa„. Das funktioniert mit Kana aus den Spalten K, S und T.
Man merkt wohl, dass ich keine Lust mehr aufs Schreiben habe, oder? Das liegt daran, dass ich das Thema schon drölftausend Male erklärt hab und mir die Lust darauf vergangen ist – deswegen schauen wir uns jetzt zum Schluss noch schnell an, welche Ausnahmefälle es gibt, die normalerweise nicht in einem 0815-Kurs stehen.
Zum einen haben wir in unseren üblichen Transkriptionen manchmal einen kleinen Strich ( ‚ ) stehen. Das zeigt an, dass es in der Kana-Schreibung keine Kombination gibt, obwohl theoretisch eine gebildet werden könnte. Verwirrt? Gut, ein Beispiel:
„kin’youbi“ (Freitag), wie könnte man das schreiben? Machen wir es silbenweise:
- Zuerst ein KI ( き )
- Dann eine Kombination mittels NI und einem kleinen YO, sodass wir ein NYO erhalten ( きにょ )
- Nun nur noch ein U und ein BI, und fertig ist die Sache. ( きにょうび )
Tja, ihr dürft euch jetzt alle getrollt fühlen, denn durch den kleinen Strich in der lateinischen Umschreibung gilt diese Reihenfolge der Schreibung gar nicht. N‘ zeigt an, dass das N alleine stehen muss und es keine Kombination an der Stelle gibt. Machen wir’s diesmal richtig:
- Erst wieder das KI ( き )
- Jetzt müssen wir wegen des Strichs ein einzelnes N schreiben ( きん )
- Der Rest ist eh idiotensicher. YO-U-BI ( きんようび )
Okay, das war Punkt 1. Punkt 2 ist um einiges größer, weil zwar für Katakana dieselben Regeln gelten wie für Hiragana (also eigentlich das gesamte bisherige Kapitel), aber Katakana haben wegen ihres Zwanges, ganze fremde Sprachen irgendwie in das japanische Silbensystem zu zwängen, einige zusätzliche Kombinationsmöglichkeiten. Und weil ich keine Lust mehr hab, die irgendwie in Prosatext zu erklären, gibt’s wieder ’ne Liste, hurra!
TE + kleines I ( テ + ィ ) | TI ( ティ ) |
DE + kleines I ( デ + ィ ) | DI ( ディ ) |
TO + kleines U ( ト + ゥ ) | TU ( トゥ ) |
DO + kleines U ( ド + ゥ ) | DU ( ドゥ ) |
SE + kleines I ( セ + ィ ) | SI ( セィ ) |
ZE + kleines I ( ゼ + ィ ) | ZI ( ゼィ ) |
CHI + kleines E ( チ + ェ ) | CHE ( チェ ) |
SHI + kleines E ( シ + ェ ) | SHE ( シェ ) |
JI + kleines E ( ヂ/ジ + ェ ) | JE ( ヂェ / ジェ ) |
U + kleines I ( ウ + ィ ) | WI( ウィ ) |
U + kleines E ( ウ + ェ ) | WE ( ウェ ) |
Das sind allerdings keine standardisierten Kombinationsmöglichkeiten, also Angaben ohne Gewehr oder sonstige Schusswaffen.
Noch was zum Schluss: In Katakana werden Vokale üblicherweise nicht mit der zweiten Schreibung des jeweiligen Vokals verdoppelt (also OO schreibt man nicht オオ), sondern mit dem sogenannten „chouon„ ( ー ). Dobermann wird also nicht etwa ドオベルマン geschrieben,
sondern ドーベルマン. (Aber es wird trotzdem als „dooberuman“ oder „dōberuman“ umschrieben. Transkriptionen, u so silly.)
Gibt’s nach diesem anstrengenden Kapitel noch irgendwas zur japanischen Schrift und zu Transkriptionen zu sagen? Ja, jede Menge sogar, aber mein Versprechen ganz oben im Text breche ich lieber viiieeeel später, wenn es alle vergessen haben 😀
Gepostet von naich am 12.02.2012 | 11 Kommentare
Ab sofort findet ihr hier jeden Samstag eine Übersicht zu den Anime-Releases der kommenden Woche inkl. Kauflinks. Viel Spaß beim Stöbern!
(7. Kalenderwoche vom 13.02. bis 19.02.2012)
Gepostet von Gebbi am 11.02.2012 | 1 Kommentar
Und schon wieder hat sich Kazé eine Lizenz geschnappt. Diesmal handelt es sich um den Film „Hoshi wo Ou Kodomo“ (aka „The Children Who Chase Lost Voices From Below“), der im Frühling letzten Jahres erst in den japanischen Kinos lief und dort vor einigen Wochen auf Blu-ray erschienen ist. Die europaweite Blu-ray/DVD-Veröffentlichung (u.a. in Deutschland, Frankreich und Großbritannien) ist bereits für Juli 2012 angesetzt, weitere Details sind noch nicht bekannt.
Der Anime wurde von CoMix Wave Films produziert, die unter Regie und Drehbuch von Shinkai Makoto bereits beliebte Filme wie „5 Centimeters per Second“ und „The Place promised in our early Days“ produziert haben.
Quelle: Facebook
Gepostet von Gebbi am 07.02.2012 | 9 Kommentare
Japanisch für den allergrößten Volltrottel, der sich niemals fortpflanzen sollte
Kapitel 5 –
Tims großes Abenteuer
Wem Anreden schnurzegal sind und sowieso zu blöd ist, sich diese ganzen komischen Persohnalbronommina zu merken, der darf sein Sprachniveau in die Steinzeit zurückversetzen und sich selbst einfach in der dritten Person anreden. Wenn Tim Furznase eines Tages vom Himmel herab auf die Erde stürzt, keine Ahnung von gar nichts hat und plötzlich ein bärtiger, alter, halbnackter Mann mit Schwimmreifen um die Hüfte, einer Kalaschnikow in der linken Hand und einem Stück Kastenbrot in der rechten Hand auftaucht und Tim (verständlicherweise) kein Stück versteht, was zum Teufel hier gerade abläuft, und er auch nicht weiß, ob dieser Mann gesellschaftlich über oder unter ihm steht, dann sagt er vermutlich: „Entschuldigen Sie, dürfte Tim fragen, was hier los ist?“
Er nennt einfach seinen eigenen Namen (ohne Anrede, das wäre unhöflich), anstatt irgendein Wort für „Ich“ einzusetzen. Diese Methode benutzt man nicht nur, wenn man den gesellschaftlichen Stand des Gegenüber nicht kennt, sondern auch, um eine gewisse Niedlichkeit und Naivität auszudrücken. Ergo: Japanische Schulmädchen dürfen diese Methode benutzen, alle anderen würden damit in der Gesellschaft eher Unsicherheit zeigen.
Tim Furznase war früher ein ganz normaler Angestellter in einer kleinen japanischen Firma. Gegenüber all seinen Arbeitskollegen, mit denen er nicht befreundet war, hat er stets das geschlechtsneutrale, höfliche watashi verwendet. Watashi ist allgemein sehr neutral. Jeder, für den keine eindeutigen Alternativen existieren (z.B. für Kinder), kann es immer und überall verwenden, ohne dabei schief angeguckt zu werden oder zu höflich/unhöflich zu klingen. So steht es zwar in gefühlten 130% aller Lehrbücher, aber in der Praxis verwenden Frauen watashi öfter als Männer, weil es für Männer genug Alternativen gibt.
Als kleiner Junge hat sich Tim überall und bei jedem mit boku angesprochen. Boku wird aber auch allgemein bei Männern im Familien- und Freundeskreis verwendet, bis sich die langweilige Bubi-Brigade dazu entschlossen hat, boku in jedem Alter und Umfeld zu benutzen. Manchmal hört man auch kleine Mädchen boku sagen, aber das kann entweder heißen, dass es sich „männlich“ fühlt, naiv und kindlich wirken will oder schlicht und einfach noch zu jung ist, um den Unterschied zu verstehen.
Tja, da Tim ebenfalls zur langweiligen Bubi-Brigade zählte und die fiese Männer-Gang eines Tages bemerkte, dass man Tim mit seinem Nachnamen doch furchtbar gut ärgern konnte, musste sich Tim in seiner Jugend gegen die fiese Männer-Gang durchsetzen, indem er statt boku nun überall ore sagte. Ore ist die ruppige Version von boku. Verwendet wird es von Männern, die ein gewisses Maß an Selbstvertrauen und Rauheit demonstrieren wollen. Frauliche Frauen verwenden es gar nicht.
Ein großer Tag für Tim – er wird endlich befördert! Bei seiner Feier kommen viele seiner Arbeitskollegen, unter anderem auch sein Boss, und bei dem verwendet er natürlich das besonders höfliche watakushi. Es ist ein sehr bescheidenes Wort und wird immer dann verwendet, wenn man höflicher und unterwürfiger klingen will, als es watashi erlaubt. Watakushi ist perfekt auf solche formellen Anlässe zugeschnitten.
Tims Frau Timotea hat nicht so viel Auswahl wie ihr Lebenspartner bei diesen Personalpronomina in der ersten Person Singular, aber sie darf dafür überall und in allen Lebenslagen atashi sagen. Äh, ja. Das war auch schon wieder alles, was es zu diesem Wort zu sagen gibt. Frauen verwenden es immer, männliche Männer nie, Punkt.
Weil mir kein vernünftiges Beispiel zur letzten Anrede einfällt, setze ich einfach das erste Beispiel mit dem alten Mann fort. Das war ja immerhin das vernünftigste Beispiel bis jetzt!
Nachdem Tim den Mann gefragt hat, was um alles in der Welt überhaupt passiert ist, bewegt dieser unendlich langsam sein faltiges Gesicht, öffnet seinen Mund, holt tief Luft und spricht mit tiefer und lauter Stimme:
Washi bin dein Opa.
Washi ist die veraltete Form von watashi. Außer weißhaarigen Greisen und hochbetagten Omas verwendet es heute niemand mehr, aber wenn man jemanden washi sagen hört, weiß man zumindest, dass diese Person richtig alt ist.
Hm? Was „o-mae“ bedeutet? Das erfahrt ihr alle in der Fortsetzung von „Tims großes Abenteuer!“ Freut euch, das Kapitel kommt sicher schon „bald“ *hust*.
So, die restlichen Anredeformen für „Ich“ hört man nicht mehr so häufig und sind auch nicht so spannend wie die obigen, aber ich zähl mal trotzdem die auf, die mir gerade einfallen.
- Uchi
Das Wort ist eigentlich nicht besonders höflich, aber im Kansai-Dialekt hat uchi watashi schon fast ersetzt und besitzt dort auch dieselben Eigenschaften. Man kann es schon im standardjapanischen Tokyo-Dialekt auch verwenden, aber dann meint man meistens nicht nur sich selbst, sondern die ganze eigene Familie.
- Jibun
Jibun bedeutet so was wie „das eigene Selbst“ und wird fast nur in der Militärsprache als Anrede für sich selbst verwendet. Das heißt nicht, dass jibun nicht in der Alltagssprache benutzt wird, aber in einem anderen Kontext und selten als reine „Ich“-Anrede.
- Atakushi
Das soll die weibliche Version von watakushi sein, es hat sich jedoch nicht übermäßig durchgesetzt und kaum eine Frau verwendet den Begriff, nicht mal auf gehobenen Festen.
- Kochira
Kochira bedeutet wörtlich übersetzt „Hier, bei mir“ und besitzt in etwa dieselben Eigenschaften wie das normale watashi – nur, dass es höflicher ist und man es viel seltener verwendet.
- Wagahai
Dieses Wort ist für die wichtigsten Wichtigtuer und für die metallischsten Metaller. Es ist für die japanischen Hardrocker und Metaller mindestens genauso wichtig wie das Headbangen. Man kann es aber auch verwenden, wenn man mit Freunden rumalbern will. Gegenüber dem Firmenchef sollte man es halt möglichst vermeiden.
- Wai, watai
So wie watashi, nur Osaka-Dialekt. Langweilige Erklärung ist langweilig.
Gut, das müssten wohl die Wichtigsten gewesen sein. Schreibt einen Kommentar, wenn euch noch welche einfallen! 😀
Gepostet von naich am 05.02.2012 | 11 Kommentare